Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Die Sprache der Ostjuden
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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* 148 - glaubt, so z. B. wenn die Eigenschaftswörter auch da stark dekliniert werden, wo es bei uns nicht mehr üblich ist, wenn es beispielsweise heißt „Gott der Gerechter". Ebenso interessant wie schwierig und ungeklärt ist die Lautlehre. Allgemein bekannt dürfte die Anekdote von dem Polnischen Juden sein, der sich bitter üben die Verkehrtheit der deutschen Sprache beklagt: „Auf e Häus fugen se Haus, auf e Haus fugen se Hos' und auf e H o s fugen se H a s." Unser polnischer Jude ist jenem deutschen Abel verwandt, der nach England geht und sich „Ebel" ausgesprochen hört. Als er Besuchskarten mit „Ebel" drucken läßt, nennt man ihn „Jbel" und wie er wiederum nachgibt und sich „Jbel" schreibt, ruft man ihn Herrn „Eibel". Diese Anekdote bringt-scherzhaft eine sehr wichtige Tatsache zum Ausdruck, daß nämlich in der Vok^ilverschiebung der Hauptunterschied zwischen dem Jiddischen und den anderen hochdeutschen Dialekten zu finden ist. Natürlich waltet dabei die strengste Gesetzmäßigkeit, nur ist es falsch, wenn man, .wie es so oft geschieht, einen Vergleich mit dem Vokalbestand unserer Schriftsprache anstellt. Aus diesem Wege kann man die Regeln nie mit Sicherheit feststellen, denn auch das Neuhochdeutsche hat sich ja gewandelt und fortentwickelt und es ist manches dabei verwischt worden. Der heutige Laut „au" z. B. kann mittelhochdeutsches „ou" („kaufen aus kaufen") oder oder auch „ü" („Haut aus Hut") sein, demnach kann er im Jiddischen nicht eine einheitliche Wiedergabe aufweisen. Für die Feststellung des Lautbestandes treten aber noch weit größere Schwierigkeiten auf. Erstens gibt es, wie bereits erwähnt, mehrere Dialekte im Jiddischen. Mittelhochdeutsches „boum" (Baum) ist polnisches und südrussisches „boim" und litauisches „bem". Unser deutsches „tag" erscheint in den verschiedenen Dialekten als „tug", „tog" und „teg" (letzteres z. B. in „miteg", der Mittag). Und das Schlimme ist, daß diese Mundarten sich, gegenseitig beeinflussen und in manchen Literaturerzeugnissen neben-