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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 150

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
19 (1916)
Article
Die Sprache der Ostjuden
Date
1916-01-01
Page
Seite 150 (sequence 16)
Language
German
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150 mit „wollen" statt „werden". „Ich wel geben", „ich werde geben" u.s.f. Das Konditionale wird ebenso ge-- bildet, also „ich wolt haben". Ferner besitzt das Jid-- dische die Fähigkeit, durch Anhängung der Silbe „ig" Ableitungen von Partizipien zu bilden,, was dem Neuhochdeutschen mit Ausnahme des Wortes „lebendig" (dessen Ton sich von der ersten auf die zweite Silbe verschoben hat) fehlt. Das Jiddische sagt „fahrendig" — „zu Wagen", „läufendig" „zu Fuß", „milchedig" „milchig", „lebedig" — „lebendig". Am intereffantesten ist natürlich bei einer flüchtigen Betrachtung der Wortschatz. Hier hat tatsächlich das Jiddische altes, aus der Schriftsprache längst verschollenes Gut getreulich aufbewahrt. Manche Wörter sind heute ganz — auch aus allen Dialekten— verschwunden. So klingt aus dem jiddischen „ette", der Vater, uns das- Anfangswort „atta" des gotischen Vaterunsers entgegen. Die Bezeichnung „agres" für „Stachelbeere", „fartech" für „Schürze" (Vortuch), „Kußwoch" für „Flitterwochen"» „itlicher" für „jeder", sind gleichfalls dem heutigen Gebrauch fremd, ebenso „dösiger" für „derselbe", entstanden aus „dasig", wozu sich in unserer Schriftsprache nur das Gegenstück „hiesig" heute noch findet. Andere haben sich' mundartlich erhalten, so „eppes" und „epper" für „etwas" und „etwa" im Alemannischen. „Torn" für „dürfen" entspricht dem englischen „to dare'1, und ist aus „turren" „den Mut haben" entstanden. „Heurig" aus dem alten „hiu jarru" „in diesem Jahre" findet sich in der Sprache der Oesterreicher. Auch „leszen" für „Lippen", „seger" für „Uhr" (aus Zeiger), „nechten" in der Bedeutung „gestern", „schmant" für „Sahne" sind nochdialektisch, zu finden. Anderes klingt uns aus der älteren Literatur' entgegen. Das Stammwort von „geseire" (Gerede) steht bekanntlich im ersten Verse des Nibelungenliedes („gefeit" — „gesagt). „Schnur" für „Schwiegertochter" wird noch von Luther in seiner Bibelübersetzung gebraucht. „Licht" für „hell" wird dichterisch verwendet und „mieß" für „häßlich, übel", tritt in der Silbe tt

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