Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Die Sprache der Ostjuden
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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144 — außerordentlich erschweren. Vor allem liegt das an den hebräischen Schriftlichen, welche, zur Auszeichnung semitischer Idiome bestimmt, sich für eine indogermanische Sprache durchaus nicht eignen und wegen ihres völlig unzureichenden Vokalsystems Phonetisch nur eine sehr mangelhafte Wiedergabe gestatten, sodaß es fast unmöglich ist, d.ie Aussprache früherer Zeiten in den verschiedenen Gegenden genau sestzustellen. Des ferneren zeigt sich, um nur ein weiteres Moment hervorzuheben, besonders in der neueren Zeit, daß die Schriftsteller, welche westeuropäischen Geist auf sich wirken lassen, auch von der neuhochdeutschen Sprache beeinflußt sind. So ist es also vorläufig nur möglich, die sprachliche Entstehungsgeschichte in den Hauptzügen wiederzugeben und zu zeigen, welche deutschen Elemente hier zu einer neuen Sprache zusammengeflossen sind. In den Zeiten vor ihrer Vertreibung aus Deutschland saßen die Juden vornehmlich in der Nähe des oberen Rheins, in Schwaben und an der Donau, also in durchaus hochdeutschen Gebieten. Von oberdeutschen Dialekten dürften sie alle (den bayerischen, den alemannischen und den schwäbischen) von mitteldeutschen den fränkischen (in seinen verschiedenen Gestalten) und die östlichen (schlesisch, thüringisch, obersächsisch) gesprochen haben. Wenn auch damit keineswegs gesagt sein soll-, daß nicht auch in dem Gebiete anderer hochdeutschen Mundarten Juden ansässig gewesen seien, so war das im " niederdeutschen Sprachgebiet sicherlich nicht der Fall. Aus diesem Grunde erklärt es sich, daß das Jiddische keinerlei niederdeutschen Einschlag besitzt, vornehmlich also hochdeutschen Konsonantenbestand aufweist. Da aber nach der Flucht sich Juden aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands in Polen zusammenfanden, wurden wahrscheinlich ursprünglich auch die verschiedensten Dialekte gesprochen und die Sprache der Gesamtheit nahm Eigentümlichkeiten von allen an. Nun ist auch das Jiddische von heute keineswegs eine einheitliche Mundart, und es gibt deutlich erkennbare Unterschiede zwischen den Mundartender Litauer, der Polen und Galizier