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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 157

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
19 (1916)
Article
Die Sprache der Ostjuden
Date
1916-01-01
Page
Seite 157 (sequence 23)
Language
German
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167 treffender, wenngleich bitterer Humor, der übrigens,. wenn auch seltener, auch in den Volksliedern zu findenist. Bemerkt -fei noch, daß unter den älteren Volksliedern die Liebespoesie sehr spärlich vertreten ist. Das rührt von den frühen Heiraten, die meist die jungen Paare in einem so zeitigen Alter zusammenführten, daß von der Liebe Leid und Freud schon aus diesem Grunde recht wenig die Rede war. Die neue Zeit bevorzugt freilich andere Gebiete der Literatur. Es gibt heute eine immer mehr anwachsende Romanliteratur, welche sich zwar ihre Stoffe meist im jüdischen Schicksal sucht, die aber auch mit mehr oder weniger Geschick die Stoffe der Westliteratur verarbeitet. Die Presse itt jiddischer Sprache ist heute eine Macht. In allen Ländern jiddischer Zunge gibt ^s gut geleitete und stark gelesene Zeitungen, die — was ihre geistige Höhe betrifft — die wirkliche Volks presse des Westens meist überragen. Es gibt ein jiddisches Theater, das sich vielleicht ursprünglich aus den alten Purimspielen entwickelt hat, dann aber der Bühne des Westens nach allen Richtungen, leider selbst nach recht bedauerlichen, nachgebildet wurde. Ist das jiddische Theater im eigentlichen Judenlande Polen auch verboten, so blüht es trotzdem dort und in Galizien, ebenso wie in der Bukowina und in Rumänien, ganz besonders aber in den Judenländern englischer Zunge. Wenn man von den Uebersetzungen klassischer Meisterwerke der Weltliteratur absieht, ist freilich der dichterische Wert der gespielten Stücke nicht übermäßig groß. Soweit sie ernsten Inhalts sind, schöpfen sie ihre Stoffe aus Bibel und Talmud. Im übrigen aber herrscht die Operettenposse vor. Die Stücke weisen meist ein tolles Gemisch von wirklicher Empfindung, von übertriebener Sentimentalität und derbem Humor auf. Selbst der beste. unter den Theaterdichtern, Abraham Goldfaden, der auch ein geschickter Spielleiter war, erhebt sich nicht weit über diese Stufe. Es ist aber zu bedenken, daß das jiddische Theater wirklich Volkstheater ist und daß überall die Proletariermassen hineingehen. Wenn aber bei uns.

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