Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Die Sprache der Ostjuden
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 153 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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153' <N Vor allem für die Frauen, welche ja das Hebräische nicht verstanden, mußten Erbauungswerke geschaffen werden, und schon um das Jahr 1600 war die bekannte Übertragung und Bearbeitung des Pentateuchs und der fünf Rollen, das Frauenbuch „Zeeno ureeno“ des Jakob ben Isaak vonJanow vorhanden, das sich unverändert bis auf den heutigen Tag in der Gunst der jüdischen Leser erhalten hat; und seit jener Zeit sind unzählige Werke verfaßt worden, welche allesamt in volkstümlicher Form religiösen Zwecken dienen. Sie sind übrigens sprachlich mit die Ursache gewesen, warum die Volkssprache auch dort viele hebräische Redewendungen ausgenommen hat, wo ein religiöser Zweck nicht ersichtlich war. Denn bei den Juden, „dem Volke des Buches", unter denen es Analphabeten ja nie in irgendwie bemerkenswerter Anzahl gab, ist der Einfluß des gedruckten Wortes auf die Volkssprache unverkennbar. Wie der religiösen, so seien auch der U e b e r - setzungsliteratur nur wenige Worte gewidmet. . Das Ghetto Polens und Galiziens war zwar abgeschlossen von dem allgemeinen deutschen Kulturleben, aber immerhin drangen die Schätze des deutschen Geistes auch in diese Welt. Besonders jene Werke, welche durch Stoff und Tendenz gerade in der Seele des gedrückten und unfreien Juden einen Widerhall fanden, wurden früh übersetzt und fanden eifrige Leser. So kann es nicht Wunder nehmen, daß Schiller im Ghetto eher volkstümlich geworden ist als in manchen Kreisen seiner eigentlichen Heimat. Die Uebersetzungsliteratur mußte aber auch sonstigen geistigen Bedürfnissen entgegenkommen, und, so gibt es kaum ein Gebiet, das nicht Übersetzungen in jiddischer Sprache aufwiese. Freilich übt diese Literatur auf die Sprache keinen günstigen Einfluß aus, da vornehmlich durch sie hochdeutsche Formen, Wörter, Redewendungen und syntaktische Eigentümlichkeiten immer mehr die ursprünglichen Bestandteile verdrängen. Noch eines anderen Literaturzweiges, der nicht im Volke und im Judentum wurzelt, sei im Anschluß an