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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 145

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
19 (1916)
Article
Die Sprache der Ostjuden
Date
1916-01-01
Page
Seite 145 (sequence 11)
Language
German
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145 und der Südrussen, die auch wieder in eine ganze Anzahl von Gruppen zerfallen. Ob aber diese Spaltung auf ursprüngliche deutsche Dialektverschiedenheiten zurückzuführen sein wird, ist eine Frage, die wissenschaftlich noch sehr eingehend untersucht werden muß. Es sei aber bemerkt, daß alle Abweichungen der heutigen Mundarten auf Vokalverschiedenheiten zurückgeht, wohingegen der Konsonantismus, außer daß man in Teilen Litauens sowohl im Deutschen wie im Hebräischen statt „sch" ein „s" spricht, durchweg übereinstimmt. Grundlegend scheint der alemanische Dialekt gewesen zu sein, der heute. noch in vielen Teilen der Schweiz gesprochen wird; es dürfte so manchem Reisenden in jenen Gegenden aufgefallen sein, welche Uebereinstimmung die Sprachfärbung des Nordschweizerischen mit . der des Jiddischen hat, was vor allem auf die Aussprache des ch (nach e und i, wie nach a, o und u; ich — iach) zurückgeht. G e r z o n (siehe oben) nimmt auf Grund einer bestimmten Erscheinung allerdings an, daß das O st mitteldeutsche den Grundstock abgegeben habe. Daneben treten die Wirkungen der anderen hochdeutschen Dialekte zurück, stark muß darunter der fränkische Einschlag gewesen sein, wenn auch diese Tatsache sich mehr historisch denn philologisch Nachweisen läßt. Das Verhältnis dieser Teile zu den heutigen Mundarten bleibt, wie eben erwähnt, vorläufig eine offene Frage. Es lassen sich aber andere Einflüsse Nachweisen, welche für die Verzweigung in Mundarten sehr stark bestimmend gewesen sein mögen. Diese werden vornehmlich in der Umgebung gelegen haben, welche durchaus nicht einheitlich war, sondern die verschiedensten Zweige des slawischen Sprachstammes umfaßte. Für den Gesamtcharakter bedeutete die Umgebung überhaupt viel. Trotz ihrer durch die Kulturhöhe bedingten Abgeschlossenheit konnten die Juden sich keinesfalls der Einwirkung der Umgebung ganz entziehen. Besonders bei den Wörtern und Begriffen der Umgangssprache drang slawisches und auch litauisches Gut ein, und zwar sind je nach der Gegend Wörter der litauischen, 10

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