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  1. 1909-01-01 · 3 (1909) · p. Seite 75

    — 75 — erbarmungsvolles Mitleid mit jeglichem Elend, Klage und entrüstete Aufwallung, hoffnungsloses Auflehnen und Anprallen gegen mitleidslose Naturgesetze, die sinnlose Weltkomödie von Glück und Unglück, die tiefen Lehren des Todes und am…

  2. 1909-01-01 · 3 (1909) · p. Seite 76

    — 76 — Oi wei, a Rüch1) in der Welt, Wemen sie benscht2) ün weinen sie schelt, Weinen sie legt, wemen auf die Füß sie stellt, Wemen sie hot feind ün vün wemen sie quellt, Wer es is bei ihr nimis3) ün wer ihr gefällt, Der Klüger, der Berie4)…

  3. 1909-01-01 · 3 (1909) · p. Seite 77

    — 77 — weg in altjüdischer Anschauung wurzeln. Im Garten der Natur, führt Wölwel aus; irrt seit vielen Jahren ruhelos und unstet ein Mann umher, der ob der ihm auf jedem Schritte begegnenden Leiden der Kreatur fortwährend mit tränendem Auge…

  4. 1909-01-01 · 3 (1909) · p. Seite 78

    — 78 — großen allegorischen Gedichte Langeweile und Unverständlichkeit fernzuhalten. Ein weises, lächelndes Verstehen aller Naturnotwendigkeit endlich bewundern wir in „Alles klugt, einer singt" (IV. 56). Schließlich ist Wölwel der Dichter …

  5. 1909-01-01 · 3 (1909) · p. Seite 79

    — 79 — Sprache. In seinem Werkelten Sifse jscheno (Przemysl, 1874 s. oben) enthüllt uns Wölwel die geheimsten Fächer seiner Seele, das, was er der schaulustigen und unterhaltungssüchtigen Menge nicht preisgeben mochte, die Liebe zu seinem V…

  6. 1909-01-01 · 3 (1909) · p. Seite 80

    — 80 - sanftem Stabe das Volk leiten wolle. Ich haue, aber ich liebe! würde ein Moderner sagen. Die Aufschriften von Wölwels Schriften belehren uns auch über die Arten seiner Satiren und über das qualitative und quantitative Verhältnis ders…

  7. 1909-01-01 · 3 (1909) · p. Seite 81

    — 81 — Klaus wenig Verständnis zeigt. Auf die begeisterte Schilderung seines „Leinens"x) in der Thora, seines „Roseh-chodesch-Benschens"2), seiner Nginim3) — „es hot geklüngen in der Klaus // ineine Nginim // züzübrümmen // senen alleNwinim…

  8. 1909-01-01 · 3 (1909) · p. Seite 82

    …e seiner Meinung nach allem Schönheitsgefühl hohnsprechender Wunderlichkeiten der deutschen Religionsgebräuche auf. Der Chasan heißt Kantor, der Schülschames ist ein „Diener". Gekleidet sind die Chasanim — Gott sei es geklagt — wie die Geistliche…

  9. 1909-01-01 · 3 (1909) · p. Seite 83

    — 83 — Wus plaudern die Reschuim1), Verlüsehen2) gur die Oiren, Beweinen sich wie in Jumim-noruim8) Dem Tug, wus sennen geboiren. — Wie lang kränkt er, zü hot er geweint, Ün noch ernst derzu gemeint, Selichos4) ün Rosch-haschonoh5). — Is er…

  10. 1909-01-01 · 3 (1909) · p. Seite 84

    — 84 — Mit gesalzene Fisch wet sein brükiert1) Un güter Wein vün alle Ecken. Die Wänd mit Dreles2) ausgeschmiert, Alle Chassidim sollen lecken. — Diese vortreffliche Satire, welche in manchen Einzelheiten an eine bekannte Phantasie von Hein…

  11. 1909-01-01 · 3 (1909) · p. Seite 85

    — 85 — In dem is nischt schuldig keiner, Nor*dus wüste Wien!1) Der Kabbi, der Zaddik erscheint bei Wölwel in seinen beiden Spielarten: in seiner Urgestalt, in der Gestalt des frommen Dieners Gottes, der freiwillig Armut und Demütigungen ert…

  12. 1909-01-01 · 3 (1909) · p. Seite 86

    … aller Herren Ländern zusammengelaufenen rumänischen Glaubensgenossen schildert. Bilder aus Halbasien zwanzig Jahre vor Karl Emil Franzos! Durch seine unnachahmliche Kunst, durch Kontrastierung zu charakterisieren, läßt er vor unseren Augen lebenswahre Gest…

  13. 1909-01-01 · 3 (1909) · p. Seite 87

    — 87 — an den Türpfosten angebrachten Gebetkapseln — und ohne vor dem Einschlafen das Schma hergesagt zu haben. Sogar 15 jährige Backfische spazieren an Samstagsabenden herum, ohne von irgend einem „Deutschen" mit langer Eeitgerte den minde…

  14. 1909-01-01 · 3 (1909) · p. Seite 88

    — 88 — und Eltern zu beantworten. Am Schluß ist aller Liebe Mühe vergebens. Er verflucht seinen undankbaren Beruf. Er verschelt sich seine Beiner, Ün Geld hot er Makes,1) Es is nischt du kein rechter einer Vün die Schreiber, die Lajdakes.2)…

  15. 1909-01-01 · 3 (1909) · p. Seite 89

    — 89 — höchsten künstlerischen Realismus, findet er den prägnantesten Ausdruck für die charakteristischen Erscheinungen des jüdischreligiösen Lebens. Die Helden des unsterblichen Werkes sind — Gott und sein Volk Israel. Der erstere, das ist…

  16. 1909-01-01 · 3 (1909) · p. Seite 90

    - 90 — Fahrende Leute bei den Juden. Von Albert Wolf ges. And. Aus dem Nachlaß des Verfassers auf Wunsch der Witwe herausgegeben von Dr. M. Grunwald. (Schluß.) Herr Oberkantor Birnbaum bemerkt über die alten jüdischen Melodien u. a.: Steins…

  17. 1909-01-01 · 3 (1909) · p. Seite 91

    … Üirrs, das. IV. 18). — d) den Possenreißer ("fPSTO, das. III. 55, "p"»pi72, das. 56). — Leib (Marschalek in Fürth) bei Barbeck, Gesch. Nürnb. S. 85. — Jeh. Leib, Klesmer u. Buchdrucker, Berl., L. Geiger, Zeitschr. I. S. 379.— Abr. Mosche Laz, rsr…

  18. 1909-01-01 · 3 (1909) · p. Seite 92

    — 92 — Mit den drei polnischen Gulden in der Woche konnte der Eabbiner trotz aller Gelehrsamkeit nicht auskommen, und so blieb vielen Darschanaim (Predigern) nichts übrig, als von Zeit zu Zeit auf die Wanderschaft zu gehen und durch Abhaltu…

  19. 1909-01-01 · 3 (1909) · p. Seite 93

    — 93 — Talmud und Kabbala, allein ein berüchtigter Geizhals, der von seinem Keichtum weder sich noch anderen je etwas gegönnt hatte. Diesmal hat ihn die allgemeine Begeisterung mit fortgerissen und er bringt es über sich, den fremden Eabbi …

  20. 1909-01-01 · 3 (1909) · p. Seite 94

    — 94 — Berlin gegen die von David Friedländer verfochtene Eeform und, wie es scheint, gegen die Orgel im jüdischen Gottesdienst gewandt hat. „Ein Staatsrat bereiste …