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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1909-01-01 · 3 (1909) · p. Seite 94

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
12 (1909)
Issue
3 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 94 (sequence 30)
Language
German
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— 94 — Berlin gegen die von David Friedländer verfochtene Eeform und, wie es scheint, gegen die Orgel im jüdischen Gottesdienst gewandt hat. „Ein Staatsrat bereiste im Auftrage der Regierung das Land. In einer Glashütte fand .er die Leute jämmerlich aussehend. Man erklärte es ihm damit, daß die Ärmsten das Feuer mit dem Atem ihrer Lungen lebendig erhalten mußten. Der Staatsrat führte sofort Blasebälge ein, die den menschlichen Atem künstlich ersetzen sollten. Er sagte dem Aufseher: „Nur diesen Blaseblag in Bewegung setzen! Dann habt ihr beständig Feuer." Im nächsten Jahr kam der Staatsrat in dasselbe Werk und fand die Leute noch jämmerlicher und überdies fast verhungert vor. Der Aufseher erklärte es ihm: „Excellenz haben uns den Blasebalg empfohlen, meine Leute haben sich damit abgequält, aber darüber ist die Glut erloschen. Und mit dem Blasebalg konnten wir sie nicht wieder entfachen". „Ja," sagte der Staatsrat, „wenn ihr die Glut habt ausgehen lassen, dann nützt der Blasebalg nichts, da muß die erloschene Glut tot bleiben." Das ist das Gleichnis — und die Anwendung? Unsere Väter" — fährt der Maggid fort — „erfüllten ihre religiösen Pflichten mit Begeisterung. Sie brachten für ihr Judentum die größten Opfer; denn die heilige Flamme der Glaubenstreue loderte in ihren Herzen. Diese Glut wurde reichlich genährt durch die hundert und aberhundert Satzungen und Bräuche, die sie mit frommem Sinn erfüllten. Sie, meine Herren, wollen jetzt einen großen Teil dieser religiösen Bräuche abgeschafft wissen. Sie wollen dem Judentum neue, leichtere und gefälligere Formen geben. Ich hätte nichts dagegen. Allein vergessen sie eines nicht! Daß es ihnen nicht wie dem Direktor des Hüttenwerkes mit dem Blasebalg ergehe! Lassen sie, während sie die neuen Einrichtungen treffen, im Herzen der Jugend nur nicht die heilige Glut des Glaubens erkalten, nicht ersterben! Denn ist einmal die Flamme jüdischer Glaubensinnigkeit erloschen, dann bleibt das kommende Geschlecht kalt und unempfindlich für die Aufgaben des jüdischen Lebens trotz aller Neuerungen. Beachten Sie das eine wohl! Lassen Sie nur das Hithlahabhuth, die zündende Begeisterung für die Religion unserer Väter im Herzen der Kinder nicht ersterben, und dann reformieren sie in Gottes Namen! Das ist meine Ansicht von der Sache." Berdon, Pardon. Von A. Lewinsky. In seiner „Geschichte der Juden in Kremsier", I. Teil (Breslau, 1896), S. 65, A2, bemerkt Ad. Frankl-Grün: „Die Etymologie des Wortes Berdon, Pardon ist nicht sicher." Er weist dabei auch auf Pales hin, der es aus dem polnischen Parodline herleitet. Andere Erklärungsversuche bietet Lewin in seiner „Geschichte der Juden in Lissa" (Pinne, 1904), S. 103, A.2, wie Blochs (Posen) Versuch, den Namen mit der Münze Vierdung, polnisch auch „Ferton" geschrieben, in Verbindung zu bringen, und Warschauers (Posen) Annahme, daß jene Bezeichnung mit dem polnischen poddac geben zusammenhänge. Vielleicht steht dieses Wort, das eine Schlacht-, Fleisch-, Verzehrungs- und Geschäfts- (Handels-) Steuer bezeichnet (Lewin a. a. 0. und S. 89), in Verbindung mit dem Ausdrucke „bardentynsden ich im „Urkundenbüch der Stadt Hannover", herausg. von Grotefend und Fiedeler, I. Teil (= Urkundenbuch des historischen Vereins für Niedersachsen, Heft 5), Hannover, 1860, gefunden. Daselbst wird zu Nr. 167 (1330—1352), S. 165, A. 13, erwähnt, daß „bardentyns" „eine Abgabe der Knochenhauer" {= Schlächter, Fleischer) gewesen.

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