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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1909-01-01 · 3 (1909) · p. Seite 81

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
12 (1909)
Issue
3 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 81 (sequence 17)
Language
German
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— 81 — Klaus wenig Verständnis zeigt. Auf die begeisterte Schilderung seines „Leinens"x) in der Thora, seines „Roseh-chodesch-Benschens"2), seiner Nginim3) — „es hot geklüngen in der Klaus // ineine Nginim // züzübrümmen // senen alleNwinim4) // bald gekümmen," — findet sie keine andere Antwort als folgenden entrüsteten Ausbruch: Zürn schwarzen Juhr Mit asa Mluche5), Es hot doch gur Kein Hazluche.6) Hand in Hand mit seinem Gottvertrauen geht sein naiver, herzerquickender Glaube an die Vortrefflichkeit der einheimischen polnisch-chassidischen religiösen Kultur, ein Glaube, der ihn befähigt, in genialer Intuition, in einfachster Weise, ohne viel Kopfzerbrechen, die schwierigsten Probleme zu lösen. „Wus verstehstü dü Philosoph // mit dem platschik Meichel" — meint der Chassid — „gei zürn Rebben nur arauf //im leren dort dich Seichel // , Sitz amnl beim Rebbins Tisch, // wenn er singt die Smiris7) // , wie es quellt die Chochme8) frisch // , wus toigen dane Chkires9)". — Da tut sich einer auf die neuerfundene Eisenbahn zu gute, der Rabbi lacht darüber, er hat einfach Kfizas-haarez10) .Das die ungeheure Meeresfläche durchfurchende Dampfschiff übertrifft der über die Flut ausgebreitete Kaftan des Rabbi oder gar sein Stock, dessen Schlag das Meer in eine Spazierallee verwandelt. Der Luftballon? Lächerlich! Der Rabbi speist die dritte Süde31) in aller Einsamkeit und gleichzeitig schwebt sein Geist in unerreichbarer Himmelshöhe. Der Telegraph? Auch mir was! Dem Emes1"2) willen sei nit sagen, Es paßt sei nit zürn Hümmel, Wie mir hinten Hoschanes13) schlugen, Ün Gott hört das im Himmel. — Ebenso fällt jeder Vergleich der einheimischen jüdisch-polnischen religiösen Kultur mit der religiösen Kultur der Deutschen, der Wiener, natürlich zugunsten der ersteren aus. Darüber belehrt ans die Satire: „Der Chussid kümmt vün Wien." (IV.) Sehoin, schoin, ich hob schoin gesehn Die alle Wiener Gedülles14), Es kümmt doch vor Gelächter auszugehn, Vün seiere Minhugim15) ün die Tfilis10), Leben soUen nor unsere Khillis17), Wie man dient Gott b'juchid b'zibur.18) *) Leinen: lesen. — 2) hebr. Einsegnung, des Monatsbeginnes. — 8) hebr. Synagogenmelodien. — 4) hebr. Kenner. — 5) hebr. Handwerk. 6) hebr. Glück. — 7) hebr. Festsänger. — 8) hebr. Weisheit. — ft) Grübeleien. — 10) Hebr. rascheste wunderbare Uberwindung der größten Entfernungen, welche den reisenden Kebbes nach dem Glauben der Chassidim zuteil wird. — 1X) hebr. die dritte Sabbatmahlzeit. — 12) hebr. Wahrheit. — 1S) hebr. Feststräuße aus Weidenzweigen, die am siebenden Tage des Laubhüttenfestes von den Gläubigen in der Synagoge geschwungen werden, wobei sie fortwährend das Wort „Hoschanna"! — hilf uns! — wiederholen. —14) hebr. Wunderlichkeiten. — 15) hebr. Gebräuche.— 16) hebr. Gebete. — 17) hebr. Gemeinde. — 1S) hebr. einzeln und in Gemeinschaft. Mitteilungen zur jüd. Volkskunde. Heft XXXI. Jahrg. 1909. Heft 3. f

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