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  1. 1909-01-01 · 2 (1909) · p. Seite 55

    …wir, was der mehrfach zitierte Bericht von der Winzenheimer Hochzeit aus dem Jahre 1857 darüber zu sagen weiß: „Er (der Chasan) wird jetzt (während des Mahles) zur Unterhaltung die vorzüglichsten Stücke seines Kepertoirs anstimmen, wofür ihm eine…

  2. 1909-01-01 · 2 (1909) · p. Seite 56

    …h von ungeeigneten Elementen, zu groß wurde, verbot es 1737 die Amsterdamer Gemeinde ganz, daß künftighin ein „Baß" dem Chasan „zuhalde". Trotzdem finden wir 1796 dort den gelehrten Meyer Kornick als „Baß" angestellt.2) Feste Anstellung gab es ab…

  3. 1909-01-01 · 2 (1909) · p. Seite 57

    — 57 — und wirkten nicht bloß beim Gottesdienst mit, sondern traten auch manchmal anderweit in der Öffentlichkeit auf. Die Leistungen dieser Chöre dürften zum Teil selbst höheren Ansprüchen Genüge geleistet haben, da wir in einzelnen Fällen…

  4. 1909-01-01 · 2 (1909) · p. Seite 58

    — 58 — wohl auch, daß sich an Sonnabenden oder an Feiertagen ein fremder Sänger mit seiner Truppe in der großen Synagoge hören ließ. Das war nun ein hoher Genuß, dessen man sich nicht genug erfreuen konnte. Diesen Sängern, die aus Russisch …

  5. 1909-01-01 · 2 (1909) · p. Seite 59

    …t Jahre später (1717) weiß Sehudt3) aus Frankfurt von den Meschorerim nichts zu berichten, er sagt nur von dem dortigen Chasan: „Das meiste Oren oder Beten in der Schule verrichtet im Nahmen aller der in der Sing-Kunst im allergeringsten nicht er…

  6. 1909-01-01 · 2 (1909) · p. Seite 60

    — 60 - Baruch scheamar zur Erscheinung. Hierüber berichtet schon der 1500 geborene Ant. Margaritha:1) „zu Regenspurg vnd auch anderswo, haben sie den gebrauch, das sie dieß gebett in summerszeit eine gantze stunde lang syngen, wie ich denn …

  7. 1909-01-01 · 2 (1909) · p. Seite 61

    — 61 — Das anschaulichste Bild von der Sangweise der alten Chasanniin aber gewinnen wir ans einer Schilderung des Königsberger Konsistorialrats Hennig, der 1797 Schlesien und Sachsen bereiste, und seine Reise in Briefen beschrieben hat.1) A…

  8. 1909-01-01 · 2 (1909) · p. Seite 62

    …dern manchmal begleiteten sie ihren Gesang — auch beim Gottesdienst — mit einem wirklichen Instrumente. (Schluß folgt.) Ignaz Bernstein Gustav Tuch Fast gleichzeitig sind uns im Januar d. J. zwei Männer entrissen worden, deren einem die Wissenschaft der j…

  9. 1909-01-01 · 2 (1909) · p. Seite 63

    … Der Haupt wert der neuen Bibelausgabe liegt selbstverständlich in ihrem illustrativen Teil. Und hier hat der Verlag in E. M. Lilien eine Kraft gewonnen, deren Urwüchsigkeit und Charakter anläge für eine künstlerische Bibelausstattung wie geschaffen is…

  10. 1909-01-01 · 2 (1909) · p. Seite 64

    — 64 — schreiten noch jetzt die Fellachen in gestreiftem Oberkleid heran, das bei den Juden der ganzen Welt sich in Form des Gebetmantels erhalten hat. Und wie vor Jahrtausenden, so sitzen auch jetzt noch die unreinen Aussätzigen in den Str…

  11. 1909-01-01 · 3 (1909) · p. Seite 65

    …allerweltlichsten Weisen ein. Das reinweltliche Lied hingegen zog sich in die Tiefe des ungebildeten Volkes zurück. Der Chasan und der Marschalek blieben nicht die einzigen Sänger des Ghetto. Das, was der hebräischen Dichtung in deutschen und sla…

  12. 1909-01-01 · 3 (1909) · p. Seite 66

    — 66 — die andere aus einem Volksliede, welches die unbefriedigte Liebessehnsucht eines jüdischen Mädchens zum Ausdruck bringt: Nägelech ün Röselech — wachsen in Gurten, Ch'ob g'wolt a Kalle1) wem — Is mir nit geruten. — Als Brody, der zwei…

  13. 1909-01-01 · 3 (1909) · p. Seite 67

    …und 18. Jahrhunderts ein Ehrenplatz gebührt, liegt in der Nähe der beiden Hochburgen der galizischen Haskala, Brody und Tarnopol. Der erste Apostel der galizischen Haskala, Mendel Levin, ein Zeitgenosse und Freund Mendelssohns, entstammte einer Zba…

  14. 1909-01-01 · 3 (1909) · p. Seite 68

    — 68 — Da beschloß er, anfangs der 50er Jahre, sein poetisches Talent auszuüben und seine Gedichte in jüdisch-deutscher Sprache und hebräischer Übersetzung öffentlich — zunächst wohl nur in exklusiven Kreisen von eingewanderten Maskilim1) —…

  15. 1909-01-01 · 3 (1909) · p. Seite 69

    nahegestanden, liebte er es, in den unteren, armen Volkskreisen zu verkehren. Von seinem oft bedeutenden, versteht sich, wie gewonnenen, so zerronnenen Einkommen machte er den edelsten Gebrauch. Es kam vor, daß er an einem Abende 50 bis 60 …

  16. 1909-01-01 · 3 (1909) · p. Seite 70

    — 70 — Feuer! Mutter und Tochter laufen davon. In wenigen Augenblicken hat der über seinen gelungenen Streich verschmitzt lächelnde Paris des Ghettos den Umtausch der gekochten Meisterwerke bewerkstelligt. Gnendel selbst ist die Eichterin u…

  17. 1909-01-01 · 3 (1909) · p. Seite 71

    — 71 — Ach dü heilige Blume, Bist ewig jüng ün schön, Nor Menschen die dumme, Willen dich gur nischt verstehen. Ün wenn ich wer bei mir gefallen, Wenn mein Seele werd verschlafft, Schlugst dü auf mir deine Strahlen, Beküm ich wieder neue Kr…

  18. 1909-01-01 · 3 (1909) · p. Seite 72

    — 72 — leben lassen, sondern unablässig zum Tragen der uralten Last und des täglich sieh erneuernden Kampfes dressieren. Wölwels Muse kennt, ebenso wie die anderen Haskaladichter, weder die Frau als Geliebte noch die Frau als Mutter. Die ei…

  19. 1909-01-01 · 3 (1909) · p. Seite 73

    — 73 — A Mittel, an alles zü vergessen, Is nor clus Gläsel Wan. In Bezug auf Sänger und Gesang gibt uns Wölwel, dieser arme Sänger des Ghettos, kaum minder kostbare Selbstbekenntnisse, als die allermodernsten Dichter. Mannigfach ist die Art…

  20. 1909-01-01 · 3 (1909) · p. Seite 74

    — 74 — liehe Dichtergaben schnöde ablehnen und mit brutalem Nachdruck für ihre Waren Geld fordern: — Sugt der Schneider, er darf kein Lieder, Es braucht nischt a jeder, Gib mir Geld guter Brüder, Un na dir Kleider. Wus toig mir Lieder, as k…