Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 12 (1909)
- Issue
- 2 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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— 64 — schreiten noch jetzt die Fellachen in gestreiftem Oberkleid heran, das bei den Juden der ganzen Welt sich in Form des Gebetmantels erhalten hat. Und wie vor Jahrtausenden, so sitzen auch jetzt noch die unreinen Aussätzigen in den Straßen Jerusalems. Alles in allem, wir haben es hier mit einer Leistung ersten Grades zu tun und die Unternehmer dürfen des Dankes aller Bibelverehrer sicher sein. Manch neuer Leser wird der Bibel zugeführt und erst durch diese durch den Zeichner verjüdischte Bibelausgabe wird es vielleicht manchem klar werden, was die Weltliteratur dem Judentume zu verdanken und wie undankbar die Welt für die unvergleichliche Schenkung diesem gegenüber gehandelt hat, indem sie als einzige Belohnung dem Judentume die Dornenkrone aufgesetzt hat. Charakteristisch für die ganze Liliensche Art ist es, daß ein dornengekrönter Jude die Einleitung zum Alten Testament beschließt. Ein vielsagendes Symbol der jüdischen Geschichte!1) Dr. S. Weissenberg. König, E., Ahasver „der ewige Jude", Gütersloh 1907, C. Bertelsmann, 74 S. — In geistvoller Weise wird die Ahasver-Sage mit dem Ahasverus- Purimspiel in Verbindung gebracht. Die geschichtsphilosophische Betrachtung über die Wandlungen der Sage sind auch für den, der ihnen nicht zustimmt, von hohem Interesse. F. Köberle, J., Die Beziehungen zwischen Israel und Babylonien, herausg. von D. Walther, Wismar 1908, Hans Bartholdi, 95 S., brcsch. M. 2, geb. M. 2,80. In sechs vortrefflichen Vorträgen behandelt hier der bekannte Rostocker Theologe Israels Geschichte im Rahmen der Geschichte Vorderasiens sowie die kulturellen, religiösen und literarischen Beziehungen zwischen Israel und Babylonien. Einen würdigen Abschluß bildet das Kap. „Der Ertrag des Babel-Bibelstreits". Dem Andenken Köberles gewidmet ist M. Kegels „Das Gebet im Alt. Testament", Gütersloh 1908, C. Bertelsmann, 43 S. — Bei aller Einseitigkeit des Standpunktes wird der Verf. doch der Bedeutung des Gebetes im Alt. Test, bis zu einem gewissen Grade gerecht. Daß der Psalter noch heut als christliches Gebetbuch seinen Dienst tut, wird hervorgehoben („wenn auch natürlich bei der Übernahme der Psalmen in die Kirche von der christlichen Gemeinde mehr in sie hineingelegt wird, als sie de facto enthalten!"). R. Kantsky, K., Der Ursprung des Christentums, Stuttgart 1908, J. H. W. Dietz Nachf. 508 S. M. 5 brosch., M. 5,75 geb. K. vertritt auch hier seine bekannte auf marxistischer Geschichtsauffassung basierte Anschauung von der Entstehung des Christentums. Uber die Person Jesus sei gar nichts zu Bestimmtes sagen, das Christentum ohne Heranziehung dieser Person zu erklären. Materialistisch wird die jüdische Religionsgeschichte behandelt. Caesars Stellung zu den Juden erklärt K. aus „seinen ewigen Schulden und seiner ewigen Geldgier"!). „Was als Geschichte der Passion des Herrn Jesus Christus auftritt, ist im Grunde nur ein Zeugnis für die Passionsgeschichte des jüdischen Volkes." Das fließend geschriebene Buch fesselt auf jeder Seite. x. Anzeige. Mit dem Beginn dieses Jahres gibt die „Jüd. Historisch-Ethnograph. Gesellschaft" in St. Petersburg, W.O., 8. Linie, Nr. 33, eine Vierteljahrschrift „Jewrejskaja Starina" heraus, die der Erforschung der Geschichte und Ethnographie der Juden in Polen und Rußland gewidmet ist. Wir begrüßen das Unternehmen mit Freuden und wünschen ihm gedeihliche Entwickelung. i) Die Redaktion behält sich ihr Urteil über den Text dieser Bibelausgabe bis nach Abschluß des Werkes vor. E. Haberland, Leipjsig-R.