Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 12 (1909)
- Issue
- 2 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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— 55 — Gemisch der Musik der Juden, Perser und Griechen sei und daß die meisten technischen Ausdrücke dieser Musik von den Juden und Persern entlehnt seien.1) Gering scheint die Anzahl der jüdischen Musikanten in Palästina bezw. Jerusalem gewesen zu sein, da Frankl2) dort (1856) nur 2 jüdische Musikanten antraf, von denen der eine Eeb Chajim aus Czernowitz bestimmt war, bei der Einweihungsfeier der von den Orthodoxen bekämpften Lämelschen Lehranstalt den Gesang der österreichischen Volkshymne mit seinem Instrument zu begleiten, dies aber unterlassen mußte, da ihm von einigen russisch-polnischen Rabbinen anderenfalls der Bann angedroht wurde. An Beschäftigung kann es den dortigen jüdischen Musikanten kaum fehlen, da ihre Mitwirkung bei Hochzeiten und anderen Familienfesten noch heutigen Tages in Anspruch genommen wird', wie Ad. Kohn noch aus dem Jahre 1905 erzählt, daß ihm einmal in Jerusalem am späten Abend ein jüdischer Hochzeitszug unter Musikbegleitung begegnete, und wie er auch bei einer Bris-Mila, die bei den Sephardim in dem Bethaus des R. Jochanan b. Sakkai stattfand, sah, wie mit den Frauen, die das Kind zum Gotteshaiise brachten, auch zwei jüdische Zimbalschlägerinnen dahin kamen, dort während der ganzen Zeremonie musizierten und dann den Zug, dem die besonders festlich gekleidete Gevatterin mit dem Kinde voranging, wieder nach Hause begleiteten/5) Neben den Klesmorim waren es die Chasannim (Vorsänger) denen bei den jüdischen Hochzeiten die Rolle zufiel, die Gäste durch musikalische Vorträge zu ergötzen. Hören wir, was der mehrfach zitierte Bericht von der Winzenheimer Hochzeit aus dem Jahre 1857 darüber zu sagen weiß: „Er (der Chasan) wird jetzt (während des Mahles) zur Unterhaltung die vorzüglichsten Stücke seines Kepertoirs anstimmen, wofür ihm eine Bezahlung zuteil wird. Hinter ihm stehen bedeckten Hauptes die ihn begleitenden Sänger: der Tenor und der Baß. Diese drei Personen bilden das Vokalorchester der Synagoge, wo die Instrumentalmusik streng untersagt ist. Der von der Gemeinde besoldete Kantor ist ein bedeutender Würdenträger, dessen Stelle ziemlich einträglich ist; jedoch muß er mit den ihm .eingeräumten Emolumenten auf eigne Kosten die beiden Begleiter unterhalten. Diese letztere machen ihre Wanderungen bei den Kantoren verschiedener Gemeinden, bis sie an einem glücklichen Tage nach langen Proben und einem unstäten Leben selbst die Würde eines Chasan erlangen. Die ganze Woche unbeschäftigt, treiben diese Hilfskantoren verschiedene Gewerbe. Um ihre mageren Gehälter ein wenig zu spicken, unterziehen sie sich der Pflicht, den Kindern die ersten Elemente des Sehreibens und Lesens zu einem mehr als mäßigen Preise beizubringen, oder sie machen dem Ortsbarbier Konkurrenz und lassen die berühmten *) Ebendas. S. 186ff. 2) Nach Jerusalem II. S. 109. 3) Österr. Wochenschrift 1905. S. 188.