Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 12 (1909)
- Issue
- 3 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Mitteilungen zur jüdischen Solhshunde. Organ der Gesellschaft für jüdische Holhshunde in Hamburg und der Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Hunst- und historischen Denkmälern des Judentums in Wien. Heft XXXI. Jahrg. 1909, Heft 3. Wölwel Zfoarazer, der fahrende Sänger des galiziseh-jüclischen Humanismus. Von Prof. Dr. M. Weißberg. Die mannigfaltigen Verfolgungen der Juden haben ihre uralte Sangesfreudigkeit wohl in andere Bahnen gelenkt, aber nicht erstickt. Ebenso, wie das gesamte jüdische Leben in all seiner Verschiedenartigkeit auf Haus und Synagoge sich zurückzog, so beschränkte sich aller Gesang auf das Gebet und die Feier der wichtigsten Familienfeste. Bet- und häusliche Festversammlung wurden durch Gesang verherrlicht, Chasan1) und Marschalek2) wurden die offiziellen Vertreter der jüdischen Melodie, des jüdischen Liedes. In das religiöse Lied schlichen sich nur zu häufig die allerweltlichsten Weisen ein. Das reinweltliche Lied hingegen zog sich in die Tiefe des ungebildeten Volkes zurück. Der Chasan und der Marschalek blieben nicht die einzigen Sänger des Ghetto. Das, was der hebräischen Dichtung in deutschen und slavischen Landen für Jahrhunderte abhanden gekommen: das Liebes- und Gesellschaftslied, blühte in der Volkssprache, im Volksliede. Alte jüdisch-deutsche Strophen aus dem 17. und 18. Jahrhundert weisen darauf hin. Ich will als Beispiele nur zwei Strophen anführen, die eine aus einem in meiner Jugend noch vielgesungenen Liebesliede: Fradeie is gesessen var der Tür, Uri is gewen seier betrübt, Is dorchgegangen der Meileeh3) Sobieski Ün ot seeh in ihr verliebt — *) Kantor. — 2) slav. Festordner. [Es ist das mhd. marschalk.] 3) König. Mitteilungen zur jüd. Volkskunde. Heft XXXI. Jahrg. 1909. Heft 3. 30\