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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1909-01-01 · 2 (1909) · p. Seite 56

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
12 (1909)
Issue
2 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 56 (sequence 24)
Language
German
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— 56 — Buchsweiler-Scheren auf den Gesichtern ihrer Grlaubensbrüder herumspazieren. Die Hilfskantoren besitzen noch gewisse Talente, welche ihre Einnahmen steigern. Beabsichtigt irgend ein reicher Mann des Ortes, aus Dankbarkeit für einen erhörten Wunsch oder ein unerwartetes Glück, die Ssnaagoge mit einem neuen Sefer (Torarolle) zu beschenken, so übernehmen die Hilfskantoren die Ausführung der Zeremonie, die der Übertragung der geheiligten Rolle in die Synagoge vorangeht. Mit Hilfe ausgeschnittener Kartons, welche sie mit Moos und Blumen bedecken, improvisieren sie einen von Felsen und Schluchten starrenden Berg Sinai, auf welchem während einiger Tage das Sefer als Gegenstand der Verehrung für die Gläubigen ausgestellt bleibt. Beim Herannahen des Laubhüttenfestes werden sie mit der Einrichtung und Ausschmückung jener in der freien Luft gebauten Hütten betraut". . . . „In ihrer Eigenschaft als wahre Künstler geben sie mehr aus, als sie einnehmen: das Spiel, ihre Lieblingsbeschäftigung, verschlingt den größten Teil ihrer Gewinnste". . . -1) Das Ideal dieser zünftigen „Hilfskantoreir'. „Mesehorerim" oder auch „Zuhälter" oder „Beysinger' genannt, war im 17. und 18. Jahrhundert die Stelle als „Bassist" bei der hochdeutschen aschkenasischen Gemeinde in Amsterdam, da sie von hier aus gar leicht zu einem „Chasonus- Brief gelangen konnten, der nicht nur die Qualifikation für das Vorsängeramt bezeugte, sondern zugleich nach erfolgtem Gastvortrage, der damals all gemeine Sitte war,;; eine feste Anstellung mit sich führte. Ais der Zudrang, auch von ungeeigneten Elementen, zu groß wurde, verbot es 1737 die Amsterdamer Gemeinde ganz, daß künftighin ein „Baß" dem Chasan „zuhalde". Trotzdem finden wir 1796 dort den gelehrten Meyer Kornick als „Baß" angestellt.2) Feste Anstellung gab es aber für die Chasannim früher freilich nur in den großen Gemeinden, während die kleineren den aufgenommenen Chasan eben nur so lange behielten, bis ein anderer kam, der besser gefiel. So kam es, daß die meisten in Begleitung ihres ..Baß" und „Tenors" oder ihrer „Singer"3) (Diskantisten) jahraus, jahrein auf der Wanderung begriffen waren. Kamen sie an einen Ort, wo sich eine wohlhabendere Gemeinde befand, so erbaten sie sich von den Vorstehern die selten versagte Erlaubnis, am Sabbath vorsingen zu dürfen. Eine Gratifikation aus der Gemeindekasse und — wenn ihre Leistungen befriedigt hatten — wohl auch von den reicheren Gemeindemitgliedern mußte ihnen auf eine Woche den Lebensunterhalt verschaffen. Überdies wurde für die Sänger in der Synagoge zweimal im Jahr ein „Teller" aufgestellt, ebenso wie dies in der Sixtinischen Kapelle in Rom geschah.4) Manche dieser Sänger zogen wohl auch in ganzen Chören umher *) A. a. 0. S. 142 f. 2) Birnbaum in Zeit d. Judenth. 1891. S. 177. [Über ihn s. Jew. Encycl.J [3) Dies im Mittelalter auch bei den Nichtjuden die Bezeichnung für Tenor, vgl. Haberls Kirchenmus. Jahrbuch XX, S. 82.] 4J Les Isradites de Jfologne. Paris. 1846. S. 209.

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