Mannheim
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  1. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 15

    15 Sorgfalt des Arztes die momentane Unfähigkeit des Kindes, den körperlichen Leiden und Reizungen den nothwendigen Widerstand zu leisten, bei solchen Anlässen so tief einwurzeln läßt, daß das Kind nach und nach zum Sklaven seines Körpers, …

  2. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 16

    16 diejenige Form der Empfänglichkeit äußert, die wir als sinnige Tiefe undInnerlichkeit des Empfindens bezeichnet haben. Sie ist mit einer Selbstthätigkeit verbunden, welche die äußern Eindrücke zum Eigenthum des Geistes oder doch des Gemü…

  3. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 17

    gische Kraft des praktisch strebenden und wirkenden Mannes wird freilich seltener aus dieser Naturanlage hervorgehen. Das still sinnende Mädchen aber gleicht der verschlossenen Knospe, aus der sich die duftende Blüthe der reinsten Weiblichk…

  4. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 18

    18 Andere und an die Welt überhaupt zu erkennen gibt. Das innere Genügen, welches die Vertiefung in die eigenen Empfindungen hervorruft, gibt den Regungen der Selbstsucht und all der niedern Leidenschaften, die aus derselben entspringen, ke…

  5. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 19

    19 lieben, morgen geringschätzen und hassen können. — Das sind die Kinder von lebhaftem Geist, wie man sie wohl gerne nennt, oder vielmehr von unruhig wechselndem Thun, wie man sie nennen sollte; die frühreifen, in doppeltem Sinn schnellfer…

  6. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 20

    20 — zu befestigen und zu vertiefen. Wir sollten uns jedoch von dem Schein der glänzenden Begabung, mit dem uns diese Frühreife leicht irreführt, in der That nicht täuschen lassen, wenn wir bedenken, daß auf allen Gebieten des organischen L…

  7. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 21

    21 Stiche des Daseins, kann wohl ohne daraus hervorgehendes Denken und Thun, das Thun aber nicht ohne vorangegangenes Denken und Empfinden gedacht werden. Wir werden diesen Charakter, wenn er sich in gesunder Weise entwickelt, als den der e…

  8. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 22

    22 richt und bei der Arbeit; ein guter Kamerad für diejenigen die ihm gefallen, aber nicht einem jeden sich anschließend; nicht zänkisch aber leicht zuweilen herrisch, die Schwachen gegen Gewalt schützend, aber auch bevormundend. Er wird eh…

  9. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 23

    — 28 stimmter seinen Platz finden wird. Nur zweierlei habe ich absichtlich außer Acht gelassen, nämlich den Einfluß der Körper-Beschaffenheit auf die Charakterbildung, weil diese, wie wichtig sie auch für die Erziehung ist, doch nicht stren…

  10. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 24

    - 24 - fetten und Neigungen nicht rauben, aber ihn auch nicht zum Sklaven der angeborenen Schwächen und Mängel seiner Natur werden lassen. Sie soll das Individuum nicht über das Streben nach dem menschlichen Ideal verkommen lassen, und soll…

  11. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 25

    25 thätigkeit so weit erstarkt ist, um die äußern Eindrücke seftzuhalten und zu gestalten, um aus seinen Anschauungen geeigneten Stoff zum Denken und Urtheilen, aus seinen Gefühlen einen bestimmenden und leitenden Antrieb zum Wollen und zur…

  12. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 26

    26 higen Kinde, indem man es bei einem einmal aufgenommenen Eindruck festzuhalten, seine Aufmerksamkeit dauernd an ein und denselben Gegenstand zu fesseln sucht, und seiner begehrlichen Beweglichkeit nicht durch stets neue Reizungen entgege…

  13. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 27

    27 Aber sie mögen gewiß sein, daß sie es nur ans diese Weise vor einer viel größeren Gefahr behüten können, von der es für sein ganzes Leben bedroht ist, wenn diese launenhafte und eigenwillige Begehrlichkeit sich durch fortgesetztes Nachge…

  14. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 28

    28 fett. Wenn es der Erziehung gelänge, ihre Zöglinge von der Launenhaftigkeit, d. hvon jenem Wechsel der Stimmungen zu heilen, von deren Ursachen der Launenhafte selbst sich nicht Rechenschaft zu geben weiß, so würde der Geheilte, glaube i…

  15. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 29

    29 Verstimmung wird dadurch im Augenblick wachsen; sie wird sich eigensinnig noch mehr in sich selbst zurückziehen, sie wird vielleicht in ohnmächtige Zornesthränen ausbrechen, wenn sie sich so ganz vernachlässigt und mißachtet sieht. Aber …

  16. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 30

    30 wenn wir sie zur Erfüllung ihrer Vorsätze durch Weckung ihres Ehrgefühls kräftigen und ihnen so lange in derselben beistehen, bis sie selbst stark genug sind sie zu vollenden. Nur auf diesem Wege wecken und Pflegen wir in ihrem eignen Ge…

  17. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 31

    31 wir schon bemerkt haben, in der Regel mit natürlicher Gutmüthigkeit verbunden ist. Ganz anders wird die erziehliche Behandlung desjenigen' Kindes sein müssen, dessen Naturanlage wir als Empfindungs tiefe bezeichnet haben. Das charakteris…

  18. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 32

    32 — Daher muß die Erziehung solchen Naturen gegenüber vorsichtig sein, um nicht durch ihr Dazwischentreten störend und verwirrend in diese stille, dem Auge des Beobachters sich entziehende Werkstatt der Natur einzugreisen. — Man störe das …

  19. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 33

    33 bald durch eigne Anregung, bald durch äußere Einwirkung, immer aber ohne gewaltsam störendes und verwirrendes Eingreifen unterbrochen wird. Wenn wir Arbeit, regelmäßig geordnete und pflichtmäßige Arbeit als das sicherste Schutz- und Heil…

  20. 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 34

    34 was es etwa zu thun gibt, selbst umzuschauen und sich auf diese Weise durch eignen Antrieb aus ihrer Neigung zum Träumen herauszureißen. Eine Gefahr, von welcher Kinder und Erwachsene dieses Natureis noch bedroht werden, ist das allzumäc…