Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1865
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 28)
- Language
- German
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- 24 - fetten und Neigungen nicht rauben, aber ihn auch nicht zum Sklaven der angeborenen Schwächen und Mängel seiner Natur werden lassen. Sie soll das Individuum nicht über das Streben nach dem menschlichen Ideal verkommen lassen, und soll in der Pflege der Individualität zugleich die Bildung desselben zum Menschen im Auge behalten. Versuchen wir nun in diesem Sinne auf die verschiedenen Naturanlagen näher einzugehen, wie wir sie im Vorhergehenden dargestellt haben, so müssen wir uns vor Allem fragen, welchen Abirrungen ist der Mensch durch vorwiegende und einseitige Entwickelung der Empfänglichkeit oder des Thätigkeitstriebes, der Beweglichkeit oder der Beharrlichkeit besonders ansgesetzt? In welcher Weise hat also der Erzieher seine Zöglinge zu behandeln, deren Naturanlage wir als die der Schwäche und der Kraft, der Innerlichkeit und der Oberflächlichkeit bezeichnet haben, damit die in jeder Individualität begründete Einseitigkeit nicht zur Verkümmerung und Niederhaltung der andern Seiten des menschlichen Daseins und der menschlichen Aufgabe führe? Die S ch w ä ch e als Naturanlage ist, meine ich, eine Schwäche der Naturanlage selbst, ein Mangel an Kraft, nicht nur zur Selbstthätigkeit, sondern auch zur Aufnahme äußerer Eindrücke — zum Empfinden. Denn die Unfähigkeit des Beharrens bei der Empfindung eines von außen empfangenen Eindrucks ist nichts anderes, als ein Mangel an Kraft des Empfindetls selbst, das sich gegen die Macht eines neuen äußern Eindrucks nicht zu halten vermag. Die Aufgabe der Erziehung ist also hier vor Allem — die Kräftigung der Natur, — d. h. das Entgegenwirken gegen die Unstetigkeit, gegen den Mangel an Beharrungskraft. — Man würde sich gegen den Gang und die Anlage der Natur versündigen, wollte man damit beginnen, gegen die Empfänglichkeit der Sinne und des Gemüths für die Aufnahme äußerer Eindrücke anzukämpfen, wollte man das Kind aus der vorherrschenden Neigung des Schauens und Empfindens zu geordneter Verstandesthätigkeit des Lernens oder zu einem nach außen gerichteten Thun hinausdrängen, bevor es noch in jener, seiner Natur oder auch seiner gegenwärtigen Entwicklungsstufe entsprechenden Seelen-