Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1865
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 20)
- Language
- German
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16 diejenige Form der Empfänglichkeit äußert, die wir als sinnige Tiefe undInnerlichkeit des Empfindens bezeichnet haben. Sie ist mit einer Selbstthätigkeit verbunden, welche die äußern Eindrücke zum Eigenthum des Geistes oder doch des Gemüthes macht, und in demselben festhält, wogegen sie selten zu einer Kundgebung dieses inneren Lebens und Webens durch eine nach außen gerichtete Thätigkeit gelangt. Es ist nicht zu verkennen, daß dieses Naturel viel edler, reicher und kraftvoller ist, als die zur widerstandslosen Schwäche ausartende Empfänglichkeit. Die Umwandlung der äußern Eindrücke in innern Besitz ist eine Seelenthätigkeit, in der sich die reinsten und edelsten Empfindungen entwickeln, wenn sie auch nicht zur vollen Klarheit des Bewußtseins und noch weniger des Wollens gelangen. Wir werden dieses Naturel schon im frühen Lebensalter durch die Neigung zu einem träumerischen Sinnen erkennen, das nicht mit der hin und her schwankenden Zerstreutheit einer schwächlichen Empfänglichkeit verwechselt werden darf. Es ist eben das nicht zum freien Bewußtsein gelangende Walten und Weben, ja vielleicht schon das innere Schaffen und Gestalten der Seele, das freilich noch nicht die Kraft zum entsprechenden Thun in sich trägt, aber doch sehr oft auch die Keime zu demselben birgt, die nur der Pflege und Entwicklung bedürfen, um sich zu Thaten zu entfalten. Es ist daher nicht immer gut gethan, den Knaben und das Mädchen aus diesem Sinnen und Träumen, aus dieser innerlichen Selbstvertiefung ihres Seelenlebens gewaltsam und plötzlich herausznreißen, weil diese Seelenstimmung oft nur den langsam fortschreitenden Uebergang zu einer Entwicklung bildet, ans der dann die Kraft des rechten, diesem inneren Naturel entsprechenden Thuns von selbst hervorbricht. — Aus dem träumerisch sinnenden Knaben wird sich nicht selten die schöpferische Künstlernatur entfalten, denn gerade die Phantasie ist es, die unter dieser Hülle am geschäftigsten ist, oder er wird zu einem für alles Edle begeisterten, vielleicht auch schwärmenden Jüngling werden, wenn seine Empfindungen zum Verlangen nach entsprechenden Thaten gereift sind. Auch der tiefe Denker wird nicht selten aus dem träumenden Knaben erwachsen, wenn sein inneres Seelenleben zur Klarheit des Bewußtseins erstarkt ist. Die euer-