Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1865
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9643703-7658386--558-7658422- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
34 was es etwa zu thun gibt, selbst umzuschauen und sich auf diese Weise durch eignen Antrieb aus ihrer Neigung zum Träumen herauszureißen. Eine Gefahr, von welcher Kinder und Erwachsene dieses Natureis noch bedroht werden, ist das allzumächtige Ueberwuchern der Phantasie über die Wirklichkeit. Es reicht diese Verirrung leicht ins Jünglings- und Iungfrauenalter hinein und führt zu einer phantastischen oft idealen Vorstellung von der Welt und den Menschen, die nur zu sehr der Wirklichkeit widerspricht und denjenigen, der sich ihr hingibt, nicht selten den bittersten Enttäuschungen preisgibt. Auch einzelne Personen erscheinen ihnen in dem Lichte ihrer Phantasie ganz anders als sie sind, und es entstehen Verhältnisse, die lediglich auf dieser Selbsttäuschung beruhen und in Wahrheit gar keinen innern Halt haben. Man wird dieser Neigung nicht eben leicht, aber doch wohl einigermaßen begegnen können durch gesunde Nüchternheit, mit der man die Dinge in ihrem wahren Lichte erscheinen läßt, wenn man auch dabet zuweilen genöthigt ist, ihnen die liebgewordenen Ideale ihrer Phantasie zu rauben. Aber man verwechsle diese erziehliche Bekämpfung einer phantastischen und allzuidealen Vorstellung von der wirklichen Welt und von den einzelnen Menschen nicht mit der Bekämpfung des Idealismus überhaupt, den wir als die Grundbedingung für eine gesunde Entwickelung dieses Lebensalters bezeichnen müssen. Denn dieser soll nicht das Urtheil, sondern das Streben und Thun des Jünglings und der Jungfrau lenken und die Aufgabe ihres Lebens adeln, daß sie, den erhabensten Vorbildern nachstrebend, an sich selbst die höchsten Anforderungen stellen. Uebrigens dürfte in unsrer materialistischen Zeit die Neigung unserer Jugend zu der Verirrung, die wir hier angedeutet, eine seltene sein; und es möchte viel häufiger wünschenswerth erscheinen, ihrer überaus nüchternen Weltanschauung etwas mehr Phantasie und Idealismus einzuflößen. Viel häufiger werden wir den Fehlern begegnen, die aus der einseitigen Ausbildung des dritten Naturels hervorgehen, das wir als das der Aeu ß erlichkeit und Ob erflächlichkeit bezeichnet haben. Es entsteht aus einem Vorherrschen des Dranges