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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde · 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 19

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
Volume
1865
Date
1865-01-01
Page
Seite 19 (sequence 23)
Language
German
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19 lieben, morgen geringschätzen und hassen können. — Das sind die Kinder von lebhaftem Geist, wie man sie wohl gerne nennt, oder vielmehr von unruhig wechselndem Thun, wie man sie nennen sollte; die frühreifen, in doppeltem Sinn schnellfertigen Kinder, über deren Anlagen und Fähigkeiten man leicht der gröbsten Täuschung ausgesetzt ist. — Es sind offenbar kluge und gescheite Kinder, denn in einem verhältnißmäßig frühen Lebensalter hört man sie schon über Dinge und Personen gewandt und verständig sprechen, kann man bereits allerlei Aufträge ihnen anvertrauen, die sie mit Geschick und Ueberlegnng ausführen. Sie lernen auch gewisse Dinge mit Leichtigkeit und sind gegen die Mehrzahl ihrer Altersgenossen sichtbar voran. — Aber wenn sie 10 oder 12 Jahr alt geworden sind, bleiben sie stehen; die glänzende Geistes- und Charakterentwicklnng die man erwartet hat, bleibt aus; sie sind eben fertig, früh fertig, weil nicht viel und nur Oberflächliches, Aeußerliches sich in ihnen entwickelt. Die Fertigkeit im Denken und im Thun, die als ihr Vorzug erscheint, ist in ihrer doppelten Bedeutung eben der Grundfehler ihrer Natur oder ihres Wesens. Sie erfassen den Gegenstand oder den Vorgang schneller und mit einer gewissen Sicherheit, aber nur deshalb, weil sie mit ihrem Anschauen und Empfinden nur über die Oberfläche der Dinge Hinwegstreifen, ohne das innere Wesen derselben zu erfassen. Der Uebergang von einer Seelenthätigkeit in die andere ist bei ihnen ein schneller und wie es scheint präziser. Sie verwandeln ihre Anschauungen in Gedanken und Worte, indem sie über das Gesehene und Gehörte sprechen, ihre Empfindungen in Thaten, indem sie nach Maßgabe der empfangenen Eindrücke handeln. Aber ihr Denken ist ebenso oberflächlich, ihr Thun ebenso äußerlich wie ihr Anschauen und Empfinden, da es nur die äußere Erscheinung der Dinge ist, die ihnen der Stofs zu jenem, die Anregung zu diesem gegeben hat. Und so verläuft ihre ganze Entwickelung schneller, sie sind früher mit derselben fertig, als andere Kinder, weil eben weniger Entwickelungsstoff in ihnen vorhanden ist. Sie gelangen in der That zu gewissen Entwickelungsstufen, die eben jeder Mensch durchlaufen muß, früher als andere, weil diese mehr Zeit bedürfen, um sich auf jeder einzelnen derselben 2*

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