Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1865
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 36)
- Language
- German
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32 — Daher muß die Erziehung solchen Naturen gegenüber vorsichtig sein, um nicht durch ihr Dazwischentreten störend und verwirrend in diese stille, dem Auge des Beobachters sich entziehende Werkstatt der Natur einzugreisen. — Man störe das Kind in seinem stillen Schauen nicht durch Zerstreuung seiner Sinne, reiße den Knaben und das Mädchen aus ihrem sinnenden Träumen nicht barsch und plötzlich heraus, bekämpfe die Schüchternheit auch beim erwachsenen Mädchen nicht durch den Versuch eines Zwanges zur lebhafteren Selbstäußerung in Gegenwart Fremder, da diese leicht zu einer erzwungenen Selbstentäußerung werden könnte; auch nicht durch Schelten und Tadeln oder gar durch Beschämung, vor deren Wirkung sich ihre Natur leicht nur nur noch mehr in sich selbst zurückziehen, oder auch zu einer Verzerrung ihrer selbst in der Form einer unschönen Keckheit Umschlagen würde. Man suche vielmehr nur dann erziehlich lenkend, aber nicht gewaltsam störend einzugreifen, wenn die Entwickelung dieses Naturels in entschiedene Einseitigkeit auszuarteu und die Kraft der Selbstthätigkeit ganz und gar zu verkümmern droht. Aber auch dann wird die erziehliche Heilung nicht aus Störung und Schwächung derjenigen Lebenskraft gerichtet sein, auf deren Ausbildung die Natur besonders angelegt ist, sondern auf Wekkung und Pflege derjenigen, die durch das Uebergewicht jener allzusehr in den Hintergrund gedrängt ist. — Gewöhnung, und, wenn es sein muß, Nöthigung zu regelmäßig geordneter pflichtmäßiger Arbeit ist das sicherste Heilmittel gegen die Gefahr der Erschlaffung, die von dieser Seite droht. — Die heilende, gegen das Versinken in die Einseitigkeit des Empfindens schützende Kraft wird nicht nur von der Arbeit als solcher, als Gegengewicht gegen jene, sondern auch von der Gewöhnung und Nöthigung ausgehen, die aber zur Selbstgewöhnung, zur Selbstaufforderung werden muß, sich aus dem gedanken- und thatenlosen Sinnen und Träumen durch eigne Kraft heranszureißen und sich zur Erfüllung seiner Pflicht zu wecken und auzutreiben. Und dies wird besonders dadurch erzielt werden, wenn Zeit und Ordnnng der pflichtmäßigen Arbeit genau bestimmt, Gelegenheit und Anregung zu freiwilliger Thätigkeit vielfach dargeboten und dadurch das thatenlose Sinnen