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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde · 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 29

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
Volume
1865
Date
1865-01-01
Page
Seite 29 (sequence 33)
Language
German
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29 Verstimmung wird dadurch im Augenblick wachsen; sie wird sich eigensinnig noch mehr in sich selbst zurückziehen, sie wird vielleicht in ohnmächtige Zornesthränen ausbrechen, wenn sie sich so ganz vernachlässigt und mißachtet sieht. Aber das ist auch schon der Beginn der Heilung, wenigstens von diesem Anfall. Denn wenn sie längere Zeit sich selbst und ihrer Laune überlassen ist, muß sie endlich zu sich selber kommen, das heißt von der Macht der Laune frei werden, weil dieser die Möglichkeit sich zu äußern und damit die Nahrung sich zu erhalten fehlt. Nur führe man die Nichtbeachtung auch dann noch durch, wenn die Laune vorüber ist und hüte sich, sie über die Erfolglosigkeit derselben zu verspotten und dadurch zur Empfindlichkeit und zu neuer Verstimmung zu reizen. Freilich wird eine wiederholte mit Ruhe und Konsequenz durchgeführte Behandlung der Art ferneren Ausbrüchen der Launenhaftigkeit mit Erfolg entgegenwirken. Das Gefühl der selbstverschuldeten Beschämung, d. h. der erkannten Schwäche seine Laune durchzuführen, wird ohne Zweifel für die Beschämte ein starker Antrieb sein, sich dem Wiedererwachen ähnlicher Stimmungen nicht hinzugeben und also die Widerstandskraft gegen den Einfluß zufälliger äußerer Eindrücke auf die Gemüthsstimmung erhöhen. Das ist ein sehr wesentlicher Anfang zur Selbstbefreiung von den verderblichen Folgen der angeborenen oder anerzogenen Schwäche. Aber ich meine, um die Fehler der Launenhaftigkeit, des Wankelmuths und der Unzuverlässigkeit an der Wurzel anzugreisen, wird diese negative Heilmethode nicht ausreichen. Wir werden vielmehr nach einem positiven Anhalte für dieselbe suchen müssen, und einen solchen werden wir gefunden haben, wenn es uns gelingt, irgend eine erwachende Neigung, vorausgesetzt, daß sie eine vernünftige sei, zu Pflegen und zu befestigen und allmälig zur Lieblingsneigung zu machen; noch besser, wenn wir das schwankende Gemüth zum festen Anschluß an einen Freund oder eine Freundin zu leiten vermögen, die ihre Neigung zu fesseln und festzuhalten wissen; wenn wir ihnen die Durchführung einmal gefaßter Entschließungen erleichtern und unvermerkt so nahe egen, daß sie sich derselben nicht gut zu entziehen vermögen;

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