Mannheim
Compact Memory

Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde · 1865-01-01 · 1865 · p. Seite 22

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
Volume
1865
Date
1865-01-01
Page
Seite 22 (sequence 26)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9643703-7658386--546-7658410
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

22 richt und bei der Arbeit; ein guter Kamerad für diejenigen die ihm gefallen, aber nicht einem jeden sich anschließend; nicht zänkisch aber leicht zuweilen herrisch, die Schwachen gegen Gewalt schützend, aber auch bevormundend. Er wird eher stolz zurückhaltend sein, als sich ehrgeizig vordrängen, aber keineswegs frei von innerem Ehrgeiz und von Selbstschätzung. Er ist zu stolz zu lügen, weil er den Muth der Wahrhaftigkeit hat und sich selbst nicht untreu werden will. Er begnügt sich selten mit der Erfüllung der ihm gebotenen Pflichten, sondern verfolgt außerdem mit Eifer und Beharrlichkeit irgend eine Thätigkeit, mit der er einer Lieblingsneigung entspricht. Es ist eine schöne Aufgabe einen Knaben zu erziehen und zu bilden, in dem sich diese Naturanlage mit Entschiedenheit ausprägt. Freilich sind dieselben nicht häufig. Ausgezeichnete Männer können nur aus Naturen dieser Anlage und Entwickelung hervorgehen. Denn was man Genie oder Genialität nennt, kann nur durch Selbstthätigkeit und Ausdauer den Menschen zur Höhe seines Berufs führen. Ohne diese ist es ein verderbliches Geschenk der Natur — wenn es überhaupt ohne dieselbe denkbar ist. — Mir sind keineswegs der Meinung mit diesen vier Charakterbildern alle Mannigfaltigkeit der menschlichen Naturanlage auch nur annähernd erschöpft zu haben. Denn wenn man wohl auch im Allgemeinen jeden Menschen und jedes Kind in, eine dieser Klassen einreihen könnte, so stellt doch jedes Individuum eine so eigenthümliche Nüancirung und Kombinirnng dieser menschlichen Grundeigenschaften dar, daß durch die Bestimmung der Klasse, in die es gehört, wenig oder nichts gewonnen ist. Ich will auch nicht behaupten, daß die Eintheilungsart, die wir gewählt haben, die allein richtige oder zulässige ist. Wir hätten auch von den sittlichen Grundunterschieden ausgehen, und die Menschen nach der Verschiedenheit ihrer Haupt-Tugenden und Fehler unterscheiden können. Auch das verschiedene Maaß und Verhältniß der Geisteskräfte: des Verstandes, der Phantasie, des Gedächtnisses, des Willens hätten wir zur Grundlage verschiedener Charakterbilder machen können. Aber ich meine, daß das Alles bei der Aufstellung, die wir für die geeignetste hielten, nicht unberücksichtigt geblieben ist und bei einer nähern Durchführung wohl noch be-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.