Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1865
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 19)
- Language
- German
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15 Sorgfalt des Arztes die momentane Unfähigkeit des Kindes, den körperlichen Leiden und Reizungen den nothwendigen Widerstand zu leisten, bei solchen Anlässen so tief einwurzeln läßt, daß das Kind nach und nach zum Sklaven seines Körpers, aber dadurch eben so sehr zum Tyrannen seiner Umgebung wird. — Ueberhaupt möge man die Launenhaftigkeit eines Kindes, den schnellen durch kein erkennbares Motiv begründeten Wechsel seiner Stimmungen, der, nicht frühzeitig bekämpft und niedergehalten, sehr leicht zum Eigensinn und Trotz und selbst zu tyrannischem Mißbrauch fremder Güte und Schwäche ausartet, immer als sicheres Symptom der Schwäche erkennen, und sich ja nicht durch den Schein der Willenskraft und Charakterfestigkeit täuschen lassen, den der Eigensinn und der Trotz annehmen wollen. Eigensinn ist allezeit ein Kind der Laune, der unbewußt entstandenen Gemüthsstimmung, von deren Einfluß die Willensschwäche sich rächt losmachen kann, und der Trotz ist in Wahrheit nur der Ausbruch des inner» Unwillens über das Gefühl der eigenen Schwäche. — Den Trotz brechen, aber nicht durch Gewalt, sondern durch konsequente Nichtbeachtung desselben, heißt daher nicht, die Willenskraft schwächen, sondern stärken, d. h. das Kind zur Selbstbezwingnng, zur Beherrschung und Unterdrückung seiner Laune nöthigen. Auch allzugroße Empfindlichkeit ist ein Zeichen des schwächlichen Natnrels. Man verwechsle dieselbe nicht mit dem Ehrgefühl, denn sie weckt nicht wie dieses das Streben nach fremder Achtung, sondern entsteht nur aus der Unfähigkeit fremden Tadel zu ertragen. Und so dürfen wir jede Reizbarkeit als Zeichen der Schwäche betrachten, wenn sie auch durch die Heftigkeit, mit welcher sie sich knndgibt, den Schein der Stärke und der Kraft annimmt. Endlich glauben wir auch die Neigung zur Lüge als Zeichen der Schwäche bezeichnen zu müssen. Denn die Hanptquelle der Lüge ist die Furcht und der Schrecken, das heißt das siegreiche Uebergewicht, welches das plötzliche Eintreten oder die Erwartung einer äußern Einwirkung über den inner» Menschen gewinnt, so daß sie ihn fast unbewußt und willenlos zu einer unwürdigen That drängt, durch die er sich vor der drohenden Gefahr zu retten vermeint. Ganz anderer Art sind die Erscheinungen, in welchen sich