Mannheim
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486
19261929
  1. 1926-01-01 · Heft 1 · page 101

    Winter. Ereignisse aus dem vorletzten Jahrzehnte liegen in tiefer Vergangenheit; ewig dauert es bis zum Heiratenkönnen, nach dem sich der Neusorger Junge frühzeitig sehnt. Der Tag der Väter und Mütter dauert vom Aufstehen bis zum Schlafenge…

  2. 1926-01-01 · Heft 1 · page 102

    wohl auch in mir. Und in mir lebt es so, daß ich sagen muß: eine seiner stärksten Quellen ist die katholische Kirche, zu der vor vierzig Jahren ganz Neusorge gehörte und zu der es jetzt noch gerechnet wird. Vor vierzig Jahren war noch kein …

  3. 1926-01-01 · Heft 1 · page 103

    geriet; auch wenn in der nächsten Bank noch bequemer Platz war. Vielleicht nicht bloß deshalb, weil er an die Schnupftabakdosen dieser Bank gewöhnt war; aber auch deshalb, denn da sich die Menschen in der Kirche keine andere fühlbare Liebe …

  4. 1926-01-01 · Heft 1 · page 104

    FLORENS CHRISTIAN RANG DAS REICH (Aus dem nachgelassenen Werk „Shakespeare und unsere Religion") Stand und Sturz eines Volk-Baues abhängt nicht nur von seinen baulichen Gedanken, seinem Grundriß, seiner Architektur und Größe; noch nur von d…

  5. 1926-01-01 · Heft 1 · page 105

    tief, daß sie das Streben nach Gleichrecht vergaßen. Ähnlich die Slawen in den kolonisierten Ostmarken. Bis in deren jüngsten in jüngster Zeit die Polen und Böhmen den Spieß gegen die Deutschen umkehren möchten. Deutschland war im wesentlic…

  6. 1926-01-01 · Heft 1 · page 106

    fahrenen hohl grinste als fleischloses Gespenst, dem nur unerfahrene Jugend - einzelseelische oder junger Volkschichten - noch Leben anschwärmt. Außer Wähnen, keine Idee vorhanden, unsere Völker zu steuern! Aber in diesem Bankrott ist aufge…

  7. 1926-01-01 · Heft 1 · page 107

    walt des Geist-Uberwaltens, der Geist-Herrschaft, ist die Wurzel des Übels. Das ist, was Anarchie lehrt, gegen die Lehre des Anarchismus. Der den Bankrott der Ideen wieder zur Idee macht, das Entsetzen der Unmöglichkeit zu einer lieblichen …

  8. 1926-01-01 · Heft 1 · page 108

    …kengebild sei: da vielmehr sie in sich wese und die Gedanken erst bilde. Ich wrill mit Plato und Jesus antworten, gegen Aristoteles und Kirche. Von denen Schule, Schullehre und Schulmeisterung der Welt sind Ableger. „Gott ist Geist66, sagt nichts ande…

  9. 1926-01-01 · Heft 1 · page 109

    …ee. Denn freilich - Idee ist ganz Ruhe nur, wie Pneuma ganz nur Aufregung. Man koche sie beide zusammen in einem Topf - Aristoteles hat das Rezept ordiniert; nur muß, daß die Mischung scheine zu gelingen, dem widerspenstigen Geist-Zfauc/i der gefügige…

  10. 1926-01-01 · Heft 1 · page 110

    denkenden Gelassenheit gerissen und ausgenutzt zu einem Schub der Bewegung - zum Gegenschub der stürmischen des Pneuma. Aber die Schau des Geistes in der „dritten Erkenntnis" - um mit Spinoza und vielen Mystikern zu sprechen - verliert durc…

  11. 1926-01-01 · Heft 1 · page 111

    sehen wir aber, daß göttliches Pneuma grund-anderes ist. „Pneuma" ist einzig religiös zu verstehn; das Wort hat seinen Sinn nur im Kampf wider Gnosis - deren Geistigkeit den Gottgeist begreifen will. Ausgedrückt in der Sprache unseres Erken…

  12. 1926-01-01 · Heft 1 · page 112

    keit und Vernunft (denen es bloß die Hoffnung gewährt, sich schließlieh anzusehließen), im festen prophetischen Wort, hie gesämt im Logos spermatikos, hie blühend aus prophetischem Mund, hie gekapselt als Frucht in Urkunden heiliger Schrift…

  13. 1926-01-01 · Heft 1 · page 113

    von Gotte zu Gott, von Gotte zu Mensch sind wir - kraft der Menschlichkeit Gottes, des schlechthin übermenschlichen, überweltlichen. In diesem, nur in diesem Verstand dürfen wir wagen, auch nur mit Worten des Gegenverstands, Geist und Idee …

  14. 1926-01-01 · Heft 1 · page 114

    in diesem namenlosen, atemanhaltenden Schweigen, darin die Versuchung den Menschen anbebt, das Wort an sich zu reißen, Gott und der Welt zu befehligen, - in der Stockung, darin sich müßten alle Dinge zerlösen, alle Bilder taumeln, aller Gei…

  15. 1926-01-01 · Heft 1 · page 115

    hin über sich selber hinaus. Aber furchtbar: Prophet wider sich selber zu sein! Obschon dies zum Wesen der Prophetie gehört. Furchtbares Gericht, das wir Deutschen vollziehn an uns mit unserer reichischen Idee. Die unsere Feigheit entblößt:…

  16. 1926-01-01 · Heft 1 · page 116

    lieren. Darum geht er an der Hand anderer Menschen, geht er seinem fragenden Sokrates nach, philosophiert er durchaus im Dialog; nicht dichterisch-eindringlicher Darstellung zulieb, deren vielmehr er den Dialog immer nackter entkleidet, bis…

  17. 1926-01-01 · Heft 1 · page 117

    borene Welt" - und hat zwar Erlösung aus diesem Leibe gelehrt, aber nur um, in Kraft von Notwendigkeit, von der Notwendigkeit freigeworden, Leib neu vom Jenseits aus zu erwählen: neue Lebensbahn! Ja wie hat in diesem gehaltenen Maß, das dar…

  18. 1926-01-01 · Heft 1 · page 118

    Gebilden, der umfassenden Reich-Idee unfähig, unwürdig - die Bereiche des innigeren Volklebens beließ: Schule, Kirche, Kunst und Staats- Einwirkung unmittelbar auf den Menschen: Gerichtpflege, Rechtsvollzug, Verwaltung, Polizei. Vor allem: …

  19. 1926-01-01 · Heft 1 · page 119

    gelassene Ideen jonglierte (freigelassene Ideen tragen den Schimpf der Freigelassenen des römischen Rechts: daß ihrer Freiheit der Adel mangelt, der Richtung und Gehaltenheit gibt, das Erbe der Tradition, die Ideen in Körperschaften des Fle…

  20. 1926-01-01 · Heft 1 · page 120

    ihr Innenreich packt damit, daß sie Beschlag legt auf allen menschlichen Bereich. Sei's unmittelbar, sei's durch die Staaten, für das Reich. Hier ist freilich nicht Deutschland, sondern Frankreich der Vorgang. Das auf dem Weg Philipp-August…