Mannheim
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486
19261929
  1. 1926-01-01 · Heft 1 · page 81

    beiden bei der Deutung ihrer Messungen von ganz verschiedenen Voraussetzungen ausgegangen sind. Welche Voraussetzung aber die richtige ist, wird sich ebensowenig entscheiden lassen, wie die Meinungsverschiedenheit darüber, welcher von den b…

  2. 1926-01-01 · Heft 1 · page 82

    Es leuchtet sogleich ein, daß damit die Identität des anschaulichen Weltbildes mit sich selbst zerfällt. Es ist nicht länger gesagt, daß, was der eine sieht, um wahr zu sein, dasselbe sein müßte wie das, was der andere sieht. Mit der Identi…

  3. 1926-01-01 · Heft 1 · page 83

    die Intuition oder den unbewußten Gebrauch der natürlichen Gaben höher zu stellen als den bewußten. Die Verehrung des Instinkts, des Genies, des Tiers und der Vorstufen der Geschichte geschieht als Äußerung des ruhenden, lesenden, ermattete…

  4. 1926-01-01 · Heft 1 · page 84

    inh alt ärmere Satz ist der unverständlichere, und das Zurückgehen auf die logische Voraussetzung oder das logische Element verarmt das Verstehen. Unser Ziel ist also nicht ein Verstehen der Voraussetzung, sondern es ist die Bereicherung de…

  5. 1926-01-01 · Heft 1 · page 85

    es dir? ist die Sachlichkeit und das Urphänomen des Arztseins in die Wirklichkeit eingeführt. Dieses Alltäglichste verdient mit Ernst, ja mit Feierlichkeit betrachtet zu werden. Wir suchten ja das Wissen des Arztes zu bestimmen und finden, …

  6. 1926-01-01 · Heft 1 · page 86

    künde beschlossen in Psychologie. Sie ist es nicht und ist es auch nicht in „einfühlender" und „verstehender66 Psychologie. Psychologie steht zur ärztlichen Aufgabe in keinem anderen Verhältnis als Chirurgie, pathologische Anatomie, klinisc…

  7. 1926-01-01 · Heft 1 · page 87

    … hing der Spiegel mit dem Kammkasten und das Kaiserbild-, meines Erinnerns ein Steindruck. Im mittleren Oval war Kaiser Wilhelm I. dargestellt; in den Ranken und Medaillons ringsherum aber das Bauern-, Handwerker-, Arbeiter- und Soldatenvolk. Einst …

  8. 1926-01-01 · Heft 1 · page 88

    bildeten64 und bildeten sich ein, für das Volk da zu sein. Das konnte noch nicht gar zu lange her sein, denn sie brachten es noch nicht gut fertig, und wenn sie unter sich waren, zeigten sie dieselben Unarten wie wir. Wir dachten uns ihr Le…

  9. 1926-01-01 · Heft 1 · page 89

    Das Neusorger Volk war aber, auch abgesehen vom Dorfschulzen und dem Gebotszettel, weit davon entfernt, für sich allein Volk sein zu w ollen. Wenn es sich Volk nannte, meinte es nur den Ort, wo es eingereiht werden wollte, den Stand, dessen…

  10. 1926-01-01 · Heft 1 · page 90

    gehört die Versammlung wie das Schreien zum neugeborenen Kinde. Wo soll sich das Neusorger Volk versammeln? Auf dem Platze unter der Linde? Auf der Wiese? Einen Platz unter der Linde haben wir nicht. Neusorge ist entstanden durch Ankauf der…

  11. 1926-01-01 · Heft 1 · page 91

    das eine göttliche Mahl immer noch die Kraft, um nicht nur die einzelnen Teilnehmer, sondern auch das Volk zu ernähren. Es war noch das Brot der vielen; es war noch ein gemeinsames Mahl, Wein und Brot, „feste und flüssige Nahrung" (Justin),…

  12. 1926-01-01 · Heft 1 · page 92

    auch auf den Äckern und Wiesen: sie bauten sich die Leitung selber. Einer half dem andern die Löcher für die Masten ausheben, und willig kamen ihrer sechs bis acht zusammen, um die schweren Masten aufzurichten. Manch gutes Wort wurde dabei …

  13. 1926-01-01 · Heft 1 · page 93

    10-20 Mark für den Morgen, brachten. Niemand konnte von dem Tongelde satt werden, aber den Auszahlungstag hatten alle gern, und dieses Geld hatte eine verbindende Kraft, während das Geld der Viehhändler trennte. Viel wichtiger aber war es, …

  14. 1926-01-01 · Heft 1 · page 94

    Sprache. Sie warten. Da steigt der erste der Nachmittagschichtler auf der Fahrt empor und tritt zu den wartenden Nachtschichtlern. Dann der zweite, der dritte. Ein Meer von Lichtern wird in dem dunklen Talgrunde. Einige Minuten lang wogt es…

  15. 1926-01-01 · Heft 1 · page 95

    Gesteinsmassen, die das stärkste Gebälk biegen und zersplittern, kann den unreifsten Jungen an einem Tage zum Manne machen. Es ist zum Verwundern selten, daß einer nach seinen ersten Ausfahrten spricht: „Einmal und nie wieder!" Jeder Handwe…

  16. 1926-01-01 · Heft 1 · page 96

    mit dem anderen Volke. Auf Generationen vererbt sich Bergbau und Ackerbau in derselben Familie. Sechzig bis hundert Jahre sind die meisten Häuser von Neusorge derselben Familie zugehörig, auch wenn sich die Namen öfter geändert haben. Es „k…

  17. 1926-01-01 · Heft 1 · page 97

    waren. Hat er Nachtschicht, so muß er einen Teil des lichten Tages verschlafen. Der lebendige Zusammenhang der Arbeiten ist der Faden oder das Gewebe in den Händen der Frau. Die Neusorger Frauen sind fast alle von männlicher Zähigkeit und E…

  18. 1926-01-01 · Heft 1 · page 98

    gegenüber bedecken sie die Zartheit, mit der sie zu ihrem Mädchen und deren Eltern sprechen, mit Frechheit. Je frecher sie sich äußern, desto sicherer meinen sie ihr Geheimnis zu schützen. Wohl halten es keineswegs alle bis zur kirchlichen …

  19. 1926-01-01 · Heft 1 · page 99

    Sie finden sogar den Weg in das Haus des feindlichen Nachbarn, wenn etwas zu bestellen ist. Die Großen sind böse aufeinander. Die Kinder achten es nicht; sie sind gut zueinander und stoßen heranwachsend die ganze Decke der Feindseligkeit du…

  20. 1926-01-01 · Heft 1 · page 100

    mehr durch dieselbe Tür, durch die nun die jüngeren Besitzer schreiten. Die Alten wissen, daß sie sich mit den Jungen nicht in Frieden vertragen können. Sie haben Lebensweisheit genug, um zu wissen, daß die Liebe und der Friede Entfernungen…