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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 1 · page 114

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 1
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 114)
Language
German
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in diesem namenlosen, atemanhaltenden Schweigen, darin die Versuchung den Menschen anbebt, das Wort an sich zu reißen, Gott und der Welt zu befehligen, - in der Stockung, darin sich müßten alle Dinge zerlösen, alle Bilder taumeln, aller Geist Ungeist werden, hält der Geist die Welt in dem Namen Christus, Messias. Hält die Welt-Menschlichung als Welt-Göttlichung vor, hält die Einheit, die Ordnung, hält die Idee. Der Mensch ist das Reich. Was, anneben bemerkt, prophetisch auch unser Deutsch sagt: dasReich heutigen Sprachbrauchs ist mittelalterlich derReich (ah rihhi, lat. reg-s), der Regent; z. B. der Reiche heutigen Sprachbrauchs ist der Güter-Regent und Friedrich, der Reiche an Friede, der Friede-Fürst. Das einzig uns ordnende messianische Wort - auch dies wieder können wir unterordnen wollen unserem Ordnung-Gelüst. Haben etwa Paulus und die Kabbala dem nachgegeben und messianische Anthropologie aufgestellt, den Urmensch (Adam Kadmon) oder seinen größeren Aufnehmer, den Christus, ausmalend zu einer Figur, in der sich ein Schöpfer- Plan restlos erfüllt? Vielleicht hatten sie zu ihrer Zeit das Uberwortige so zu reden das Recht, aber wir heut haben uns nicht darauf zu berufen. Was wissen wir, was Christus bedeutet? wer berechtigt uns, spekulativ festzusetzen, daß sein Reich das der Vollkommenheit ist? warum nicht einer Unvollkommenheit, eines minderen Zustands, der, wenn auch unserm Ideal nicht, doch Gotte genügt? Gotte, der eben diesem Paulus auch das Wort der Bescheidenheit zubeschieden: Stärke kommt in Schwäche zur Vollendung -dwa^tq Iv äofreveia zeXetrcu. Nur keine apokalyptischen Träumerein! nur keine messianische Dogmatik! Das alles kann ganz anders sein. * ★ ★ Furchtbare Lage der Welt: am Faden eines Namens über dem Abgrund zu hängen! Welt zu sein nur nicht-seiend, und den Kosmos verflattern zu sehn in unzusammenhängende Lappen! Denn es gibt keine Welt- Ordnung; es gibt nur Ordnungen: Ordnung ist je ein Hof um je eine Idee. Furchtbare Lage der Welt: ihre Lage nicht zu sehen, nicht sehen zu wollen! Tröstlich zwar auch diese Sorglosigkeit! Die doch ein Sehen, ein Glauben beweist. Denn die sich in den Ordnungen abfinden, jeweils eine daraus zur begünstigten erhebend, z. B. heut die Idee der Nation, üben immerhin Bescheidenheit aus. Und die sich nur abfinden mit einer vollkommenen Ordnung, z. B. mit der Idee des Reichs, prophezeien immer- 114

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