Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 110)
- Language
- German
- Belongs to
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denkenden Gelassenheit gerissen und ausgenutzt zu einem Schub der Bewegung - zum Gegenschub der stürmischen des Pneuma. Aber die Schau des Geistes in der „dritten Erkenntnis" - um mit Spinoza und vielen Mystikern zu sprechen - verliert durch Teilnahme an Bewegung ihren Sinn. Wenn die glänzenden Augen der Seher hinter den fliehenden Nebelschleiern der Zeit und durch sie schauend von den Formen des Seins ahnunggebende Umrisse und Lichtpunkte sehn - und wenn sie nicht etwa hinter Nebelwogen eine Gebirgkette sehn, die nur darum unwogend, seiend-ewig scheint, weil Menschenauge zu kurz ist für die Riesenwellenlänge der Zeiten, in denen Seins Oberfläche zu Tal und Gebirg schwingt, also daß jene doch nur wieder Werden und Vergehn sähen dann sehen sie eben das Werden entwerdend, und nehmen nicht aus ihrer jenseitigen Schau die Ermöglichung, diesseitigen Stand zu verändern. Das Reich der Ideen ist nicht regulativ. Ist nicht „Reich". Selbverständlich muß Einheit gesucht werden, aber nicht auf der Fläche des Daseins. Nicht in der Topie, sondern in der U-Topie; nicht in dem or, das ovx ovtgjz 6v, sondern in dem [i)] cV, das ovrmg 6v - im Lande Meon, von dem Spitteier singt. Solang freilich Utopie das Narrenland der Geistigen, ist es närrisch, von seiner Wirklichkeit zu reden; und so bleibt nur die topische Wirklichkeit zu sehn (die von der utopischen aus die utopische ist): die Dinge als die verstreuten Glieder einer Idealität, die sich nicht zu sehn, nur zu suchen gibt. Das eben aber ausmacht den pneumatischen Weg: der immer neue vergebliche gottlose Versuch, daseiende Welt zum Reich Gottes zu machen; dies Kriseln und Kreißen ist des pneumatischen Äons. Denn allerdings hat Geist-Wehen die Richtung auf Einheit; die Ideen aber tragen keine Richtung in sich. Alle Stöße des Geist-Wehens suchen ihr Ziel, aber alle, die eine Idee als Welt-Ziel vorstoßen, insbesondere die Reich-Gottes-Idee, stoßen Weg zwar, aber das Ziel erstoßen sie nicht. In logischer oder phantastischer Form verstoßen sie wider die Heiligkeit des Geists, wider die absolute Welt-Ungebundenheit Gottes, die sogar Welt-Vernichtung ist und die tödlich abweist den Frevel, Gottes Wesen und Walten zu binden, auch nur denkend oder träumend in Geistigkeit. Pneuma ist ein Wort, gekleidet in ein Bild (des Atmens), aber kein Begriff und keine Idee; weder denknoch schaubar, auch nicht intuitiv. Denn dies Bild gibt sich selb als bloße Herablassimg des Sprechens; Menschen-Atem betrachtend er- 110