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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 1 · page 120

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 1
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 120)
Language
German
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ihr Innenreich packt damit, daß sie Beschlag legt auf allen menschlichen Bereich. Sei's unmittelbar, sei's durch die Staaten, für das Reich. Hier ist freilich nicht Deutschland, sondern Frankreich der Vorgang. Das auf dem Weg Philipp-Augusts, Heinrichs IV., Sullys, Richelieus, Ludwigs XIV., der Revolution und des Kaisertums Napoleons den zentralisierten Staat aufgebaut, der außer seinem ursprünglichen Gebiet des Schutzes - also des Rechts- und Kriegswesens auch jed anderes Lebensgebiet sich angemaßt hat: Nebenmächte zertrümmernd (wie den Templerorden, Burgund, die Eidgenossenschaft der Hugenotten), vornehmlich aber sie an sich saugend: die Wirtschaft der Untertanen - die so Staatsbürger einer Volkwirtschaft wrerden —, ja gar die geistigen Mächte: Sprache, Literatur, Wissenschaft, Schule. Mit dem immer erneuten Versuch, auch Kirche und Glauben in sich einzubeziehn, bis zuletzt der Staat zwar von Kirche Heß, aber sie auch entließ aus dem Glauben der Nation, deren Bürgern der Staat sie entbehrlich erklärt. Womit der Staatsbegriff der Nation sich erfüllt - die Grundlage alles heutigen Nationalismus -: Nation wird Glaubens-Gemeinschaft ales natürlichen Lebens - des leiblichen und geistigen, roh-natürlichen und kultürlichen, einzig ausgeschlossen das übernatürliche, göttliche, das verleugnet wird - in dem einen Körper des selbwilligen Staats. Der Staat ist das innere Universum: darin ist Frankreich (ich lasse beiseit, daß in einigem Betracht ihm Spanien noch vorging) das gedrungene Gegenstück zur Weltweitläufigkeit und innern Zerfahrenheit des römischen Reichs deutscher Nation. Hat denn auch die innere Uberladenheit seines Staates mit Säften jeweils imperatorisch verausgaben gemußt. Wie auch jetzt wieder Frankreich in Europa auftritt. Immerhin: innerer Cäsarismus ist nur folgeweise eroberisch; der Franzose hat sich nicht mit seinem ursprünglichen Wesen der Reich-Idee ergeben, sondern aus Neid (aus berechtigtem; das deutsche Imperium war Anmaßung über die Völker); dem eignen Machtrausch des Welt-Ordnens kann er von Zeit zu Zeit Selbkritik gegensetzen; eigentlich will er Reichs-Ersatz in Form der Nation. Er behält eigentümliche Skepsis in sich, deren „malice" bezeichnend ist für seinen „esprit", und die positiv in ihm sich umstellt zur Revolution, zu der dieser Staat sich grundsätzlich bekennt, weil sie ihm nicht das Nationalstaatliche umwirft, sondern nur dessen innere Hemmungen oder Überanstrengungen nach außen. Ob diese Befähigung 120

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