Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 119)
- Language
- German
- Belongs to
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gelassene Ideen jonglierte (freigelassene Ideen tragen den Schimpf der Freigelassenen des römischen Rechts: daß ihrer Freiheit der Adel mangelt, der Richtung und Gehaltenheit gibt, das Erbe der Tradition, die Ideen in Körperschaften des Fleisches einleibt) - aus diesem Reich freigelassener Ideen, die Schriftstellerei in beliebig auswechselbare Wortbilderketten einspannte, zu ödem Selbgenuß und Selb verzehr eines Luxus des Geists und zu feilem Vorspann vor die Gelüste nach Reichtum und Macht: - aus diesem vor Idee-Reichtum ideelosen Reich-Staat erschwoll, genährt vom Aufbruch der Gottesgnadenidee, der landesfürstlichen, als Ausdruck des Idee aufbrauchenden Neu-Reichs, der Monarch, der t-s war, wie vielleicht kein Gewalthaber je, weil er es war als nackt-rohes Ich, souveränes Kleid größter Repräsentanz ohne kleinsten Rest zu repräsentierenden Kerns. Gespeist von allen Ideen gab dieser Popanz der Macht sich keiner hin zur Opfer-Symbol-Speise. Und hat er den Bismarck ad absurdum geführt, so auf dem deutschen Weg des Selb-Widerspruchs der philosophischen Freigeistigkeit gegen die Realität, des Widerspruchs des dritten deutschen Popularphilosophen, Nietzsches, gegen das Bismarckische ideelose Reich, der doch auch zum „Reich4' nur ein Zu- und Ja-Spruch, in seiner Formulierung des „Willens zur Machti4; wobei eben „Macht" das Schwindelgefühl hohler Repräsentanz, das Sich-Mästen des Ich an der Hülse von Idee, deren Saft vor der Idee-Widrigkeit des Sieh- Mästens vertrocknet. Zwar, wahrlich, sie sind nicht der Antichrist gewesen, diese Blasen der Aufgeblasenheit deutschen Reichs, deutschen Geists. Auch Nietzsche nicht, den es schon leckerte danach; sein Gott- Kampf hat ihn noch ehrlich gehalten. Erst recht der Monarch nicht: der Gott noch die Ehre geben gewollt. Aber eben diese gewollte Form von Theokratie - die nicht Wilhelms IL, die unsere Verfassung war und ist; ich wiederhoPs! - verunehrt, denn verunehrlicht Gott. Der mittelalterliche Gott, nein, schlimmer, der Geist seiner katholischen Theokratie mißfaßt in protestantischen Kirchen-Ersatz, mußte scheinheiligen ein ihm so unheiliges Reich wie das aus dem Zollverein entwickelte der dem Gottes-Reich ungläubigen reich-werden-wollenden Deutschen. Bis in diese Heuchelei ward der Gottes-Gedanke vergötzt. Dies Blendwerk ist geplatzt. Aber sein Same besteht und ist fest eingekornt in der innern Staatsallmacht. Der cäsarische Monarch, die Welt- Reich-Politik, sind nur die äußere Schwellfrucht der Geist-Despotie. Die 119