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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 1 · page 116

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 1
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 116)
Language
German
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lieren. Darum geht er an der Hand anderer Menschen, geht er seinem fragenden Sokrates nach, philosophiert er durchaus im Dialog; nicht dichterisch-eindringlicher Darstellung zulieb, deren vielmehr er den Dialog immer nackter entkleidet, bis er gerad eben noch menschengemeines Wahrheit-Suchen bezeugt, was deutsche Geschichtschreiber der Philosophie dem Plato denn als Alters-Kraft-Nachlaß verdenken. Darum das Widersprüchliche der Dialoge untereinander, das Unergebnishafte des Einzel-Dialogs: Takt des Sokratischen Wissens, nicht zu wissen! Auch ..das Eine", „das Sein", „das Gute" - solche Worte sagt Plato nicht als Zentralsonne eines Ideen-Systems, das aus ihr erwallte, sondern als Notdach absichtlich nicht abgeschlossenen Baus. Und ist doch gefeit gegen Pluralismus, Relativismus, Phänomenalismus, gegen Wechsel des Standpunkts zu Arbeit-Hypothesen, nicht minder als gegen Doktrinarismus der Konstruktion. Hinter dem Spektrum der Ideen, das er nur formal auf ein Band reiht, schimmert ahnend ihm die weiße Einheit des Lichts. Als mehr denn das Seiende, auch nicht als Werdendes, sondern als Wunder-Gestalt. Das ist das große Staunen dieser philosophierenden Seele; das ist, was man als dichterisch in ihr erfühlt. Das Unbegreifbare, aller Entwicklung Entzogne, der Einsprung des Gotts, der über Zeit ist, in Zeit; dies Geburtige, die Neu-Schöpfung, faßt, empfängt, einbettet er geburthelferisch im Kairos. Unbetreut mit den Worten Pneuma und Christus führt ihn doch sein Takt an ihre Sphäre heran. Wie weiß er, daß Prophetie Wahnsinn sein muß: Gegenteil von Welt-Anschauung und wissenschaftlicher Klarheit! daß der Geist hier etwas erregt, das im Wort auszusagen noch nicht ist, außer durch Deutung im Bild: durch Seher der Ideen, die anderes sind wie der Geist! Wie bang steht er vor der Gabe dieses Geist-Bilder-Sehns, und weiß nicht, wie weit darf er die Umrisse verfolgen! etwa auch zu Ideen des Niedrigen, Schlechten, in Natur nicht Gegebenen, Verhältnismäßigen, Negativen? Wie hat er darum den Logos jeweils durch den Mythos gesagt! Und ist, der dionysische Orphiker, dennoch keiner Mythologie unterlegen! Wie vor allem hat ihn niemals der Begriff vom Menschen weggelockt! wie hat er nicht nur mit den Menschen, sondern auf den Menschen hin philosophiert: die Gerechtigkeit im Staat nicht anders erkennend als die eines Menschen, - die Welt als ein Bild des Schöpfers ansprechend, „ein sinnlich wahrnehmlicher Gott, der mächtigste und schönste: eben diese eine und einge- 116

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