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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 3 · page 54

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 3
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 54)
Language
German
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und dann, wenn sie zusammen sind, strengen sie mit aller erdenklichen Mühe sich an, um einsam zu sein im eigentlichen Sinne, sie öffnen die Türe und verschließen ihr Herz - dem Himmel sei Dank, daß ich los bin!" Diotima stellt dem Gegenbild das Urbild entgegen: „ich trage ein Bild der Geselligkeit in der Seele: guter Gott! wieviel schöner ists nach diesem Bilde zusammen zu sein, als einsam! Wenn man nur solcher Dinge sich freute, denk ich oft, nur solcher, die jedem Menschenherzen lieb und teuer sind, wenn das Heilige, das in allen ist, sich mitteilte durch Rede und Bild und Gesang, wenn in Einer Wahrheit sich alle Gemüter vereinigten, in Einer Schönheit sich alle wiedererkennten, ach! wenn man so Hand in Hand hinaneilte in die Arme des Unendlichen - 0 Diotima, rief ich, wenn ich wüßte, wo sie wäre, diese göttliche Gemeinde, noch heut wollt ich den Wanderstab ergreifen, mit Adlerseile wollt ich mich flüchten in die Heimat unseres Herzens! Oft leb ich unter ihr im Geiste, fuhr Diotima fort, und mir ist, als wär ich ferne in einer andern Welt, und ich entbehre der gegenwärtigen so leicht: - wir singen andre Lieder, wir feiern neue Feste, die Feste der Heiligen in allen Zeiten und Orten, der Heroen des Morgen- und Abendlands; da wählt jedes einen aus, der seinem Herzen, seinem Leben am nächsten ist, und nennt ihn, und der herrliche Tote tritt mitten unter uns in der Glorie seiner Taten, auch wer, geschäftig am stillen Herde, mit reinem Sinne das seine tat, wird nie von uns vergessen, und Kronen blühen für jede Tugend; und wenn auf unsern Wiesen die goldne Blume glänzt, in seiner bläulichen Blüte das Ahrenfeld uns umrauscht, und am heiligen Berge die Traube quillt, dann freun wir uns der lieben Erde, daß sie noch immer ihr friedlichschönes Leben lebt, und die sie bauen, singen von ihr, wie von einer freundlichen Gespielin; auch sie lieben wir alle, die Ewigjugendliche, die Mutter des Frühlings, willkommen herrliche Schwester! rufen wir aus der Fülle unsers Herzens, wenn sie heraufkömmt zu unsern Freuden, die Geliebte, die Sonne des Himmels; doch ist's nicht möglich, ihrer allein zu denken! Der Äther, der uns umfängt, ist er nicht das Ebenbild unsers Geistes, der reine, unsterbliche? und der Geist des Wassers, wenn er unsern Jünglingen in der heiligen Woge begegnet, spielt er nicht die Melodie ihres Herzens? Er ist ja wohl eines Festes wert, der selige Frieden mit allem, was da ist! - den Einen, dem wir huldigen, nennen wir nicht; ob er gleich uns nah ist, wie wir uns selbst sind, wir 302

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