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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 3 · page 51

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 3
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 51)
Language
German
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Als ich je die Menschen gekannt, Ich verstand die Stille des Äthers, Der Menschen Worte verstand ich nie. In diesem Zusammenhang erscheint das Gedicht durchaus als autobiographisch, was sich ja, gerade bei so reinen Dichtungen, keineswegs von selbst versteht. Freilich ist die Haltung des Gedichts der des Briefs in einem ganz entgegen: ohne Klage, mit reiner Bejahung, ja mit Stolz bekennt es, daß der Dichter die Menschen nie verstand, daß er v on den Göttern erzogen ,,unter den Blumen46 lieben lernte. Der frühe Brief weiß, was auch später wieder mit wachsender Dringlichkeit dem Manne deutlich wird, daß die Liebe, die unter den Blumen gelernt worden ist, unter den Menschen geübt sein will. Sie aus der Natur in Menschengemeinschaft herüberzuziehen und hier zu wissendem Dienst, zu taghellem Leben zu steigern wird später höchster Beruf von Hölderlins Gesang. Naturfremdheit, Lieblosigkeit, Stumpfheit, ja schon der Schein davon, wo Hölderlin ihn unter den Menschen wahrnimmt, stößt nicht nur sein Gefühl ab, es verletzt das Mark seines überpersönlichen Berufs. Wenn er später schreibt, daß er auch im verdorbenen Menschen die reine Anlage liebe, daß er in seiner vielberufenen Überempfindlichkeit Pedant aus Liebe sei, so hängt das eng mit der Situation zusammen, die schon jener frühe Brief aufweist. Immer wieder wird er von den Menschen abgestoßen, immer wieder treibt ihn eine Stimme, vor der die Abkehr Sünde ist, zu ihnen zurück. Die Heftigkeit der Abkehr selbst entspricht nur der Innigkeit der Anziehung. Weil er den reinen Einklang mit den Meuschen al> Höchstes sucht, muß der leiseste Mißton in der Beziehung zu ihnen ihn empören. Die Unerreichtheit des Einklangs kann er nicht wie andere nur einfach wissen, er muß sie täglich in der Wirklichkeit erkennen und erleiden, eben weil er berufen ist, die heilige N otwendigkeit des L nerreichten zu verkünden. 3. Hyperion Früh hatte sich das Bestreben bei Hölderlin geäußert, den Einklang mit der Kreatur und mit der Gottheit, den der Dichter in der Natur rein vernehmen und in die Gemeinschaft mit wenigen Menschen einbeziehen konnte, in der Menschenwelt als Ganzem neu klingen zu lassen. Hier mußte er als umfassende Liebe erscheinen, in der alles Einzelne, am Ganzen wirkend, sich bildet und, sich vollendend, das Ganze voll- 299

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