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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 3 · page 65

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 3
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 65)
Language
German
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- Spott ist gemilderter Hohn - nicht mehr beherrschend hervor: vernehmbar ist das Schalk-Lachen noch. War auch noch in unserm Mittelalter oft grimmiger Hohn. Gegen den Teufel oder gegen die Geistlichkeit zum Beispiel. Eh wir aber die Zeit aufsuchen, da Karneval nichts als Hohn war, die Geburtzeit des Lachens, das nicht zum Lachen ist, - müssen wir uns den Schrecken seiner Mißtönigkeit gegen jedes andere Lachen auf die Seele laden! Es muß in die Welt geklungen haben wie verirrten Wüsten- Wanderern Hyänen-Lachen, wie hysterischen Mönchen Hohngelächter der Hölle. Wie gut klang das Lachen der Tierheit zuletzt! Die Geschichte des Lachens können wir ja deutlich verfolgen: eine Geschichte wachsender Harmlosigkeit. Jeder kann sie verfolgen an jedem Hund auf der Straße. Er begnügt sich, die Zähne zu fletschen, anstatt zu beißen, einem zu starken oder zu schwachen Angreifer gegenüber. Im Spieltrieb wiederholt er dies nur andeutende Beißen gegen den Spielgefährten, den er für schonbedürftig hält; namentlich gegen sein eigenes Junges und gegen jenes zum Beißen so wenig fähige Tier, das ihn umwirbt, wie er es ansehn muß, während es selbst allzumenschlich als Mensch sich Herr des Haustieres glaubt. Das Fletschen wird wohlwollendes Lächeln, nicht ohne eine leise Marke der Verächtliehkeit. Diese schwächt sich und die Herzhaftigkeit des Wohlbehagens verstärkt sich, seit das Lächeln klingendes Lachen ward. Was allerdings die Stufe der Tierheit überschreitet: der Hund kann den Gruß-Laut des Bellens seinem Lächeln nur nachfolgen lassen, noch nicht vereinen. Aber der redende, singende Mensch läßt das Lächeln laut tönen in das Anlachen lustiger Spiel-Kameradschaft, die des Kinderglücks des friedlichen Lärmens sich freut und arglos dem Kindermut des Staunens vor dem Fremden ausplatzend-schallenden Ausdruck freigibt. Da - plötzlich verzieht sich die gutmütige Grimasse der Verlegenheit zur gehässigen Wut-Fratze, der Silber ton des An- und Be-Lachens speit zischenden Geifer des Aus- und Ver-Lachens, die Geste des Nicht-Beißen-Wollens schnappt zu, schnappt um zu einem Beißen- Wollen, wenn man's nur könnte, zu bleckendem Beißen in die Luft, das sich, leider!, begnügen muß, den Gemeinten anzubellen, statt mit den Zähnen zu zerreißen, das aber ihn geistig zerreißt: - welche Revolution, welche Korruption muß in der Menschen-Natur vorgegangen sein?! Wer hat dies gelle Lachen gereizt? wer hat den Menschen so mißhandelt und 313

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