Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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stimmt, sondern letzte Zuflucht der großen Liebe in der Menschenwelt und zugleich der Machtbesitz, von dem aus diese große Liebe immer wieder die Welt der Menschen erobern will. Aber in gleicher Zeit und im gleichen rhythmischen Maß, in denen später dieser Beruf der Liebe gesungen wird, wird auch ihr Schicksal, das im Hyperion erzählt ist, ausgesungen: Seit der gewurzelte, Allentzweiende Haß Götter und Menschen trennt, Muß, mit Blut sie zu sühnen, Muß der Liebenden Herz vergehn. Liebe, die sich offen und einbezogen halten will in die Welt aller Beziehung, vertagt nicht nur die eigene Vollkommenheit in die Zeit der Vollkommenheit des Ganzen, sie gefährdet und, in der äußersten Hingabe, die der Dichter darstellt, zerstört ihre eigene Verwirklichung. Dies ist das Gesetz, unter dem Hyperion und Diotima auseinander getrieben werden. Seine erste, noch zarteste Wirkung ist es, wenn Diotima und der Held des Ichromans im fünften Kapitel beginnen, von „den Menschen4* zu sprechen. Die beiden gehen schweigend „unter den Blumen44 (die Worte des späteren Gesangs von der Knabenzeit „Und lieben lernt ich unter den Blumen"!), bis Diotima den Schmerz, der auf ihren Lippen ist, ausspricht. Da wird deutlich, wie die Weitung der Beziehungssphäre Gefahr ist für die Beziehung selbst: „Ist es denn wahr - je mehr Menschen, je weniger Freude?" Und nun spricht der Freund von dem trüben Gegenbild der Gemeinschaft, vom „Zusammenlaufen44, dem „bunten, uneinigen Wechsel" der Menschen, klagt jene Not, deren Verwundendstes die Nötigung zum Mißtrauen ist und die wir als Hölderlins eigenste Not schon aus seinem frühesten erhaltenen Briefe kennen. Der bunte uneinige Wechsel, „wie er mich oft verwirrte, und verzerrte, wie in dem Kriege, den man unter der Larve des Friedens führt, wo man immer das, woran das eigene Herz hängt, vor fremden Pfeilen siehern, wo man so ängstlich jede unschuldige Blöße verhüllen muß, wo der andere bei aller Ruh und Freundlichkeit, die er zeigt, doch mißtrauisch jede Bewegung belauert, ob sie nicht für Feindesanfall gelte, wie in diesem kleinen schlechten Kriege die Kräfte so heillos zugrunde gehen; nein! es ist eine unerhörte Ungereimtheit! Sie bieten alles auf, um zusammen zu sein, 301