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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 3 · page 57

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 3
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 57)
Language
German
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mals, der die Abkehr verbot, scheint hier unwirksam. Nicht anders, nur aus der persönlichen in die Sphäre einer kosmischen Historie gesteigert, klingt es im letzten Brief des letzten Buchs: ,,0 du mit deinen Gottern, Natur! ich hab ihn ausgeträumt, von Menschendingen den Traum und sage, nur du lebst, und was die Friedenslosen erzwungen, erdacht, es schmilzt, wie Perlen von Wachs, hinweg von deinen Flammen!** Und: „Es fallen die Menschen wie faule Früchte von dir, o laß sie untergehen, so kehren sie zu deiner Wurzel wieder, und ich, o Baum des Lebens, daß ich wieder grüne mit dir . . " Die Menschheit ist hoffnungslos und muß vernichtet sein, damit der Einzelne, ohne Gemeinschaft mit ihr, in die ewige Naturgemeinschaft einkehre, wo er dem einen Einzelnen, der Geliebten, begegnet. Und in der Gewißheit solcher Einkehr klingt der Brief in hymnischen Jubel aus: „Es scheiden und kehren im Herzen die Adern und einiges ewiges glühendes Leben ist Alles.** Wenn man von einem pessimistischen Ausgang des Romans gesprochen hat, so hat man damit nur eine Teilwrahrheit erfaßt. Des unverlierbar göttlichen Wesens der Natur bleibt Hyperion gewiß. In die Menschengemeinschaft aber will dies göttliche Leben nicht mehr eingehen. Und dies, nachdem das Flehen um den Einzug des Göttlichen unter die Menschen noch im Roman selbst aufs innigste erhoben, seine Erfüllung in einer strahlenden Vorschau gestaltet war, ehe der Roman zur letzten Fassung kam. Die äußerst ge- ' TD ~ stiegene Flut des Gemeinschaftswillens staute sich am höchsten und festesten Wehr und konnte von ihm gebändigt scheinen, ehe sie es zerriß und überflutete. Die Handlung des Romans vollzieht sich auf griechischem Boden und in griechischem Volk; auf dem Boden also, der Hölderlin immer als Raum göttlicher Offenbarung in menschlichem Leben und menschlicher Geschichte geweiht wrar. In dem Volk, das ihm lange Zeit esensheimat war, bis er zur eigneren Heimat fand. Aber freilich unter den späten Nachfahren der großen Geschlechter dieses \ olks, unter denen nur die einsamen Einzelnen das Volk in alter, ja höherer als der alten Größe wieder suchen und nicht erreichen. Da ist es nun vor allem wichtig zu ~ erkennen, welches Bild Hölderlin in den Jahren der Arbeit am Hyperion von den hohen Zeiten des Griechentums hatte. In dem frühen Aufsatz über die Geschichte der schönen Künste in Griechenland sahen wir den Dichter ganz im Banne Winckelmanns und fanden seine Anschauung 305

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