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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 3 · page 61

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 3
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 61)
Language
German
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ist schon die Beziehung aufgetan, es lebt in der Dynamik der Geschichte, die einbegriffen ist in der Dynamik der gotterfüllten Welt. So kann dort am Ende die Hoffnung sein, die am Ende des Hyperion verloren scheint: die Hoffnung auf neue Menschengemeinschaft im Angesichte der Gottheit. Im Hyperion ist die statische Ordnung der Völker und Zeiten noch ungebrochen mächtig. So sicher der antike Athener in der Vollendung ruhte, so sicher war sie dem Morgenländer und Abendländer versagt. Die Trostlosigkeit des Strafgerichts über die Deutschen im letzten Buch des Romans, noch ohne Ausblick auf die Möglichkeit einer Wandlung, ist in solcher Welt notwendig. Notwendig ist in ihr auch, daB die in neue Zeit gesperrten Griechen aus den in alter Zeit ruhenden eigene Hoheit nicht gewinnen können. Notwendig, daß der Wille Einzelner zu echter Volksgemeinschaft nicht nur unerfüllt bleibt, sondern unerfüllbar scheint, daß sie mit ihrer Sehnsucht in die einzig erfüllende Natur hinausgetrieben werden, Hyperion als „Eremit in Griechenland" endet. Damit wird aber mehr deutlich. Hölderlins spätere Anschauung vom Griechenwesen war, wie wir heute wissen, der erste entscheidende Durchbruch durch die klassizistische im Bereich deutschen Geistes. Wir sehen nun, daß er zugleich die klassizistische Anschauung der Menschenwelt, der Geschichte, der Gesellschaft überhaupt durchbrach. Wenn Goethe, im tiefsten Wissen um die Dynamik der Natur und des Herzens, die * ~ Menschengesellschaft gegen die Herrschaft solcher Dynamik verwahrte, erfüllte er sein Fürstenamt im neuklassischen Reich. Mit zunehmender Macht prägte sein Werk eine statische Ordnung der Stände und Werkkreise, der Zeiten und Kulturen aus. Tasso und die Prinzessin scheidet ein ewiges Gesetz, Weise und Narren eine reinliche Schranke. Das Nebeneinander erfüllter Einzelpflichten („Ein jeder kehre vor seiner Tür") verbürgt die Musterhaftigkeit des Ganzen. Aus Zeit in Zeit leuchten die Muster der Vollendung herüber, aber jede ruht geschlossen im eignen Wesen, ja der Augenblick noch will in losgelöster Vollendung sich v erewigen. Ineinanderströmen ist den Einzelnen gegeben und immer w ieder wird in weisem Maße soviel Beziehungsstrom im Ganzen zugelassen, wie nötig ist, es vor Erstarrung zu hüten, und möglich, ohne die statische Ordnung zu brechen, natürlicherweise also am meisten im späten, von Hölderlin nicht mehr wahrgenommenen Werk. Die Liebenden, bei Hölderlin die eigentlichen Bewohner des Gemeingebiets, sind hier selig, wenn 309

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