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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 3 · page 48

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 3
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 48)
Language
German
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Völker ist, so ist Schwaben das Herz dieses Herzens. Aus solcher Mitte kam die Botschaft, die Hölderlins Hymnen und Elegien der letzten Schaffensjahre bringen, die noch nur wenige traf, die aber dem ganzen Volke gilt: daß es berufen sei, so sehr gegen seine Anlage wie mit ihr, aus der Spannungsmacht innerer Gegensätzlichkeit heraus, mit erneuertem Leben unter den Völkern ein neues Reich der Liebe zu stiften, Gottes Ruf an die Menschen in Sein und Tat, nicht mehr nur in Geist und Gefühl zu antworten. Wenn Hölderlin einige, und gerade recht augenfällige, Züge seines Stammes, das bürgerliche Sichbehagen und der breite Humor, auch fehlen - in dieser letzten und entscheidenden Kunde ist er so ganz Schwabe* wie er sich immer als Schwabe gewußt hat. 2. Denkendorf Der Klosterschüler Hölderlin fühlt sich nicht nur durch äußeren Zwang abgetrennt vom Bereich des klaren und frommen Lebens. In dem Gedicht „Die Meinigen" von 1786 wünscht er sein Herz wieder unbewölkt, harmlos, frei von Klage, und heftet den sehnsüchtigen Blick auf ein Kindheitsbild, aus dem Friede und Wegsicherheit ihn ankommen. Der Halbbruder wird angeredet: Guter Karl! - in jenen schönen Tagen Saß ich einst mit dir am Neckarstrand, Fröhlich sahen wir die Welle an das Ufer schlagen, Leiteten uns Bächlein durch den Sand. Endlich sah ich auf. Im Abendschimmer Stand der Strom. Ein heiliges Gefühl Bebte mir durchs Herz; und plötzlich scherzt ich nimmer, Plötzlich stand ich ernster auf vom Knabenspiel. Bebend lispelt ich: w ir wrollen beten! Schüchtern knieten wir in den Gebüschen hin. Einfalt, Unschuld war's, was unsre Knabenherzen redten - Lieber Gott! die Stunde war so schön. Wie der leise Laut dich Abba! nannte! Wie die Knaben sich umarmten! himmelwärts Ihre Hände streckten! wie es brannte - Im Gelübde, oft zu beten - beider Herz! 296

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