Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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endet. Den Hyperion durchzieht solches Bestreben schon auf der Stufe des Ichromans und bestimmend in der ganzen Schlußfassung. Waren in den frühen Fragmenten zum Hyperion noch die Beziehung zwischen Mensch und Mensch als Einzelnen und die zwischen Mensch und Natur dargestellt, beide Beziehungen freilich in innigem Zusammenhang miteinander, so ist in den spätem das entscheidende Thema umfassende Menschengemeinschaft in der weiteren Einheit der Natur und vor Gott. Innerhalb dieses großen Themas bleiben die engeren der frühen Fragmente lebendig bestehen. So ist es wahrscheinlich, daß auch früher schon das große Thema geplant war, wenn es auch gewiß kein Zufall sein wird, daß in den überlieferten Bruchstücken jener Stufen es zwar klar erfaßt, aber nicht als Hauptthema gezeigt ist. Erst im fünften Kapitel des Ichromans, in der großen Rede Diotimas auf die künftigen Kulte, wird es klar ins Zentrum des Ganzen gestellt. Noch das vierte Kapitel zeigt den Helden in der alten Problematik des Verhältnisses zwischen dem wachen, fühlenden Einzelnen und den Einzelnen, die ihm begegnen. Einer Problematik, die in seiner Seele als Leiden und Erniedrigung vieler Art erscheint, die persönlich ist, aber von überpersönlichem Gehalt. Für eine Zeit reißt ihn aus solchem Leiden, angekündigt durch die Verjüngung der Natur im Frühjahr, die Erscheinung der Geliebten, die als Verjüngerin und Einerin aus den erfrischten Elementen wie eine ihrer Gottheiten hervortritt. Im Gespräch mit ihr nun aber kehrt ins höchste Glück das alte Leiden wieder ein. Der vollkommene Einklang zwischen zwei Wesen, eine geschlossene Gestalt, die in sich selig sein zu können scheint, zerstört seine Geschlossenheit selbst, zerbricht die sich vollendende Form, um offen zu sein und sich zu weiten. Offen will die im Einklang stehende Einzelbeziehung allem Mißklang der Beziehung in der Menschenwelt sein, und über alle andere Beziehung sehnt sie sich den eigenen Einklang auszuspannen. Dieser, noch im Gespräch allein vollzogenen, Hinopferung des eigenen Glücks in ein künftiges Glück aller Gemeinschaft wohnt schon das ganze Geschick der Liebenden, wie es sich in der Schlußfassung des Romans wirklich vollzieht, geheim inne« Hier zum erstenmal wird ganz deutlich, daß die Liebe zwischen zwei Menschen die „himmlische Pflanze" ist, der gerufen wird: „Wachs und werde zum Wald" und „Sprache der Liebenden sei die Sprache des Landes". Sie ist nichts abgelöst Einzelnes, zu isolierter Vollendung be- 300