Mannheim
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486
19261929
  1. 1926-01-01 · Heft 1 · page 1

    Religionhafte Sonderungen, aus denen es keine andere Befreiung gibt als die messianische, haben die Not und die Zucht von Exilen. Sie sind uns nicht Imaginationen, wolkige verrückbare Gestaltungen, sondern sinnvoll beständige Wahrheitssphär…

  2. 1926-01-01 · Heft 1 · page 2

    lassen mußten, der einem jeden von ihnen angewiesen war. So heißt diese Zeitschrift nun nicht mehr nach der gemeinsamen Bedürftigkeit, sondern nach dem, was dieser Bedürftigkeit schon heute die endliche Stillung verbürgt. Was uns drei Herau…

  3. 1926-01-01 · Heft 1 · page 3

    RUDOLF EHRENBERG GLAUBE UND BILDUNG Wenn man zwei Hauptworte durch das Wörtchen „und" verbindet, und es sich nicht nur um die Aussage einer Summierung handelt, so nehmen die beiden Begriffe ein kritisches Verhältnis zueinander an. Mit der Ü…

  4. 1926-01-01 · Heft 1 · page 4

    daß in dem Leben des Einzelnen das Ganze als eine Wirklichkeit erscheine. Für den Glauben wird der Einzelne von der Wirklichkeit, dem ens realissimum, gelebt; für die Bildungsidee gibt der Einzelne der überindividuellen Wirklichkeit Leben. …

  5. 1926-01-01 · Heft 1 · page 5

    widerstreitenden Kräfte ins Innere zu verlegen und der Triebrichtung nach außen sogleich den Weg des geringsten Widerstandes zu geben. Die seelischen Schicksale bekommen das Maß ihrer Bedeutung für die Seelenforschung aus ihrer größeren ode…

  6. 1926-01-01 · Heft 1 · page 6

    faktor. So entstehen Ideale, Mythen, Religionen als Fiktionen gleichsam der Sozialseele, und da eine Mehrheit oder die Gesamtheit der Individuen die wahre Wirklichkeit mit der Summe ihrer seelischen Gestaltungsantworten vollkommener repräse…

  7. 1926-01-01 · Heft 1 · page 7

    des Ungeordnet-Ausgebreiteten, seelisch als Einbeziehung des Objektiven, Außengegebenen in ein Subjekt, ein Innen-Empfangendes. Alles, was es sonst noch geben kann, ist nur virtuell, Fiktion oder Entelechie, ist das Bild des Strahles aus de…

  8. 1926-01-01 · Heft 1 · page 8

    Alles Leben geschieht in Individuen, in unteilbaren Ganzheiten. Das gilt räumlich absolut, unbeschadet der Tatsache, daß auch Teile und Teilchen eines Ganzen die lebende Sonderexistenz einer Ganzheit führen können, sie — etwa die überlebend…

  9. 1926-01-01 · Heft 1 · page 9

    bildung zu verändern ist, man kann in den frühesten Stadien der Embryonalentwicklung gewissermaßen auf dem Keim spielen wie die Hand des Künstlers auf den Tasten des Klaviers, eine Unzahl von Melodien schlummert in der Tastatur, eine belieb…

  10. 1926-01-01 · Heft 1 · page 10

    gültig festgelegten Anlagen. Man würde mit dieser Annahme sicherlich nicht völlig fehlgehen, aber man würde damit doch nur einen Teil, weder das Ganze, noch das Wesen der Individualität haben. Schon die Tatsache, daß auch eineiige Zwillinge…

  11. 1926-01-01 · Heft 1 · page 11

    organ von der Anlage des nervösen Zentralorgans auswächst, bildet sich der optische Apparat aus anderen Geweben, die Linse speziell aus der äußeren Haut. Die Umwandlung der Haut zur Linsensubstanz in dem Bezirk, auf den die Augenanlage von …

  12. 1926-01-01 · Heft 1 · page 12

    ersten Teil meiner These, die Behauptung, daß es keine existentiellruhende Individualität gäbe, verständlich zu machen. Daß dieser Prozeß der wachsenden Individualität, der zunehmenden Individualisierung, Normierung oder - um auch ein gesch…

  13. 1926-01-01 · Heft 1 · page 13

    Innen getreten, in dem Maße ist das Vergangene für das Zukünftige zunehmend bestimmender geworden, ganz gleicherweise, wie bei dem sich entwickelnden Keim. Das Leben steigt nicht wie ein Gebäude auf einem festgegründeten Fundament in die Hö…

  14. 1926-01-01 · Heft 1 · page 14

    noch im Werden befindlichen Seele von den mechanisierten Außenbezirken reden. Die beiden seelischen Hauptmerkmale des zunehmenden Alters - das abstraktere, unsinnlichere Denken und das weniger unmittelbare Affiziertwerden von Gefühlen - ver…

  15. 1926-01-01 · Heft 1 · page 15

    muß „wenn es mich geben soll, muß ein Gott sein44, hat der Glaube nicht das Recht der Wirklichkeit an uns. Der zweite Satz unserer These lautete: wenn es im Leben wesensgemäß keine existentiell-ruhende Individualität gibt, so muß es eine vo…

  16. 1926-01-01 · Heft 1 · page 16

    kenntnis aus den Früchten. Wie wir einer im Staub der Welt fast verschütteten Seele noch soviel Leben zusprechen, als Gewissen in ihr ist, so entscheidet über Bildung oder Fehlbildung der Glaube. Goethe hat gesagt, ein Volk sei nur produkti…

  17. 1926-01-01 · Heft 1 · page 17

    WILHELM MICHEL GESTALTEN DER ANGST 1. Angst Unter den großen Erweckerinnen des Menschengeschlechts steht in vorderster Reihe die Angst. Angst, d. i. Engegefühl, entsteht da, wo wir in die Enge getrieben sind. Das geht ganz allgemein so zu, …

  18. 1926-01-01 · Heft 1 · page 18

    nämlich, wo ein Wesen auf einen großen Lebensraum angelegt ist und trotzdem von der Ich-Befangenheit nicht loskommt. Ist die Angst die Folge eines Versagens, ja einer Sünde, so ist sie zugleich eine Art von Auszeichnung; denn sie besagt, da…

  19. 1926-01-01 · Heft 1 · page 19

    also „Liebeshandlung" und Verstehensakt im ernstesten Sinne ist; eine Anforderung, der wir alle nicht oder nur mangelhaft gewachsen sind. Selbst in jenem höchsten Falle, in dem ein Lieben, das die Fremdheit der ganzen Welt überwinden wollte…

  20. 1926-01-01 · Heft 1 · page 20

    mir schien, die mir in der Hauptsache als metaphysische Anfeindung meines Lebens und des Lebens überhaupt fühlbar wurde. Das erste echt religiöse Gefühl, dessen ich mich erinnere, ist das einer unerträglichen Bedrohung durch göttliche Wider…