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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 1 · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 1
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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widerstreitenden Kräfte ins Innere zu verlegen und der Triebrichtung nach außen sogleich den Weg des geringsten Widerstandes zu geben. Die seelischen Schicksale bekommen das Maß ihrer Bedeutung für die Seelenforschung aus ihrer größeren oder geringeren Unmittelbarkeit zu der Triebauswirkung, die zunächst zeitlich schon weitgehend bestimmt ist: das im Leben Frühere ist bedeutungsvoller als das Spätere; je mehr geformte Individualität, in das Individuum einbezogene Außenwelt, schon vorhanden ist, um so mittelbarer, indirekter, von innen her bedingter ist das weitere, aus Trieb und Widerstand entstehende seelische Ereignis. Die Theorie der seelischen Mißbildung, der von der Wirklichkeit der Trieberfüllung abführenden Seelengeschichte ergibt sich so als Folge unglücklicher, zeitlich fehlerhaft geordneter Schicksale. Bildung, d. h. sinnvolle Ordnung in der Abfolge der seelischen Schicksale wird zur entscheidenden Angelegenheit. Aber für den Glauben, für das Hineinwerden in eine begegnende, liebend annehmende Wirküchkeit ist hier keine Stätte, dem Trieb entspricht kein Zug. Die andere, jüngere Richtung, die unter Alfred Adlers Führung eine Schule der sogenannten Individualpsychologie aufbaut, ist in ihrer Theorie das Widerspiel der Freudschen. Auch hier ist das Individuum der Schöpfer seiner Welt, aber nicht das kausale Individuum der Triebe, sondern das finale der Selbstvollendung, der Pfeil des Geschehens weist nicht vom Individuum hinaus sondern auf es hin. Der Prozeß der Selbstgestaltung der Seele ist geführt von dem organischen Gleichgewichtszwang des autonomen Individuums, die Schicksale in der Weit dienen als Enthüllungen organischer Fehlgewichte - von Adler als L nterwertigkeiten jeweils besonderer Organe des Körpers aufgefaßt - und führen zu kompensatorischen Korrekturen von Seiten der Psyche durch die Fiktion. Die individuell verschieden große Unzulänglichkeit zur Voll- ~ ~ endung der Ganzheit des Individuums wird durch Überbauung und Durchflechtung der wirklichen mit einer fiktiven Welt erreicht. Vaihingen Als-ob-Philosophie steht Gevatter. Aber die Adlersche Theorie, zumal in der Weiterbildung seiner Nachfolger, läßt doch vom Individuum über den Einzelnen hinaus den Weg offen: im Individuum lebt auch die Gemeinschaft als von innen heraus zielstrebende Kraft, die fiktive seelische Kompensierung der organischen Minderwertigkeit wird mehr oder weniger bestimmt von dem auf die Gemeinschaft gerichteten Lebens- 5

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