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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 1 · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 1
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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muß „wenn es mich geben soll, muß ein Gott sein44, hat der Glaube nicht das Recht der Wirklichkeit an uns. Der zweite Satz unserer These lautete: wenn es im Leben wesensgemäß keine existentiell-ruhende Individualität gibt, so muß es eine vom Menschen aus gesehen ruhende überindividuelle Wirklichkeit - wir können jetzt hinzufügen — eine außerweltliche Wirklichkeit geben, in die hinein die Selbstvollendung der Individualität geschieht. Und wir können auf Grund unseres Lebensgleichnisses weiter sagen: von dieser außerweltlichen Wirklichkeit aus gesehen muß der Weltprozeß im Ganzen und die Gestaltungsgeschichte der einzelnen Seele in ihm dem entsprechen, was wir in der Entwicklungsgeschichte des Organismus und in dem Gestaltungsgange der Seele das Zurückweichen von den normierten, dogmatisierten, oder auch mechanisierten Außenbereichen nannten. So wenig das zu Individualität einbezogene Stück Welt tot ist, so gut der voll ausgebildete Teil eines Organismus am Leben teil hat, ebenso wohl ist auch die von jener jenseitigen Wirklichkeit aus normierte, in sich vollendete Seele durchaus im Leben, wenn sie auch niemals selbst jenseitig wird, sondern nur in dem was wir Glaube nennen, in der Wirklichkeit also des von dorther Normiertseins daran teil hat. Wir werden ja auch niemals unser Ich, unser innerstes Selbst in unsere gewordene Gestalt, unseren inneren Weltbesitz verlegen, aber wir wissen von unserem Ich doch als einem aus all diesen Normierungen und Dogmatisierungen bestimmt aber auch weiter bestimmend Fortlebenden. Zum Glauben gehört etwas, das geglaubt wird, gehört das Dogma. Aber das Dogma verpflichtet nicht nur den Gläubigen - verpflichtet nicht als ein de iure, sondern ein de facto-; aber es bestimmt auch - so kühn das klingen mag - den Gott der Offenbarung. Wenn die Offenbarung in die Zeit eingegangen ist - und anders konnte sie nicht Offenbarung werden -, so gibt es eine wirkliche Heüsgeschichte, wie es eine wirkliche Entwicklungsgeschichte des Lebens gibt. Wie diese die Möglichkeit von Mißbildungen des Leibes und der Seele nicht ausschließt, wie die Selbstverwirklichungen der Individuen und Arten deren genug kennt, die ein Geschichtsende ohne Fortgang darstellen, so auch jene. Aber unfehlbar muß sich im Weiterflusse der Zeit solches Geschichtsende offenbaren, es geht eben nicht weiter, der Tod offenbart das Leben. Ich glaube aber, wir sind auch hier nicht allein gelassen mit dieser nachträglichen Er- 15

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