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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 1 · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 1
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Innen getreten, in dem Maße ist das Vergangene für das Zukünftige zunehmend bestimmender geworden, ganz gleicherweise, wie bei dem sich entwickelnden Keim. Das Leben steigt nicht wie ein Gebäude auf einem festgegründeten Fundament in die Höhe, sondern mit seinem Anstieg festigt sich der Grund, auf dem es steht, mit der Last wächst das Tragende auch. - Es ist klar, daß mit dieser Anschauung eine schöpferische, unmittelbare Spontaneität des Lebens geleugnet wird. Sie betrachtet das Leben nicht, wie es das Übliche ist, von seinem Anfange, sondern von seinem Ende aus, sie ist - um einen theologischen Terminus zu gebrauchen - eschatologisch eingestellt. Es hat aber doch wohl einen größeren Erkenntniswert, zu sehen, wie das Wirkliche wird und weiter wirkt, als eine schier unbegrenzte Fülle des Möglichen für den Grund des sehr begrenzten Verwirklichten auszugeben. Es hat keinen Sinn, alles, was ich nicht geworden bin, aber von der einen Seite meiner Bedingtheit aus hätte werden können, meiner Individualität wesentlich mit hinzuzurechnen. Wir haben — wie ich hoffe — jetzt zwei wesentüche Erkenntnisse gewonnen. Einmal, daß das Leben wesensgemäß Ablauf ist, Ablauf über ein Gefälle, Ablauf in die verwirklichte Gestaltung. Und dann, daß dieser Ablauf, der rhythmisch, aber in stetem Fluß durch die Zeiten her im Gange ist, in den Schicksalen der äußeren Welt abläuft, d. h. daß er zunehmend mehr Welt in dem geschilderten Prozeß der Selbstnormierung in sich einbezogen hat, die aus dem Besitz des Individuums durch Generationen hin in den Anlagenbestand übergeht. Was dorthin gelangt, erbfest, also Artbestand geworden ist, das bedeutet natürüch gegenüber der Vorzeit immer eine Einengung, eine Einschränkung des Möglichen, obwohl und gerade w7eil es ein Zuwachs an Wirklichem ist. Wesensgemäß ist es überall der gleiche Vorgang, in der Entwicklung des Individuums wie des Stammes und ebenso in dem Gestaltungsgange der Seele: die erfahrene, aufgenommene Welt ist normierte, wenn man will mechanisierte Seele. Das physiologische Experiment läßt uns messend verfolgen, wie eine mühsam erlernte psychomotorische Leistung mehr und mehr mechanisiert wird, ohne Bewußtseinsaufwendung geschieht, rein reflektorisch und damit rascher, exakter und ökonomischer wird. Und wir können auch hier wie bei der Leibesentwicklung von einer fortgehenden Konzentrierung des Gestaltungsgeschehens, einem Zurückweichen der 13

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