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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 1 · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 1
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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gültig festgelegten Anlagen. Man würde mit dieser Annahme sicherlich nicht völlig fehlgehen, aber man würde damit doch nur einen Teil, weder das Ganze, noch das Wesen der Individualität haben. Schon die Tatsache, daß auch eineiige Zwillinge, also Individuen, die absolut gleiche Erbgarnituren mitbekommen haben, nie völlig gleich sind, zeigt uns an, daß wir nur ein wirkendes Moment zur Individualität festgestellt haben. Weiter aber lehrt ja das Entwicklungsexperiment, lehrt die Erfahrung am späteren Lebensfortgang, daß auf der einen Erbbasis verschiedene Schicksale verschiedene Individualausprägung zur Folge haben. Der Anlagenbestand stellt eine Summe von Möglichkeiten dar, deren nur der allerkleinste Teil im Leben des Individuums verwirklicht wird. Das ergibt sich schon bei der Betrachtung der groben, äußeren Ausgestaltung, wieviel mehr wird es noch für die feineren Züge gelten, für das was uns an einer menschlichen Gestalt das Persönliche ausmacht. 9 Wir müssen auf die Erfahrungen über die bestimmenden Faktoren im Entwicklungsgang etwas näher eingehen. Wir hatten schon der Experimente gedacht, wonach in den Anfangsstadien der Entwicklung statt der einen eine Mehrzahl von Ganzbildungen zu erzielen ist. Das Mittel dazu ist die Zerlegung des Entwicklungskeimes in die wenigen Zellen, aus denen er dann noch besteht. Jede dieser Zellen, die im normalen Entwicklungsfortgang die Mutter von Teilen des Ganzen geworden wäre, kann also noch die ganze Gestalt aus sich hervorgehen lassen; sie ist noch nicht einseitig festgelegt, sondern jetzt ist ihr künftiges Ziel im normalen Gang ihr noch nicht aufgeprägt, nur ihre räumliche Einfügung in dem jetzigen Ganzen wirkt sich späterhin einmal zu ihrem besonderen Schicksal aus. - Ist die Entwicklung um einige Stadien fortgeschritten, so haben die einzelnen Zellen diese Fähigkeit zur Ganzbildung eingebüßt, sie können jetzt nur noch einen besonderen Teil hervorbringen, das Ganze hat ihnen ihre besondere Norm aufgeprägt. Sie haben also zugunsten des Ganzen auf ihre potentielle Totalität verzichtet; was war es, das diesen Verzicht herbeiführte? Offenbar die im Verbände mit den Geschwisterzellen verbrachte Zeit; die Schicks als Verbundenheit ist ihnen zu ihrem besonderen Schicksal, eben zu ihrer Norm geworden. Wie geht es nun weiter? Das mag ein vielstudiertea Beispiel erläutern, die Entwicklung des Auges. Das Auge entsteht nicht aus einer einheitlichen Anlage, sondern während das eigentliche empfindende Sinnes- 10

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