Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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des Ungeordnet-Ausgebreiteten, seelisch als Einbeziehung des Objektiven, Außengegebenen in ein Subjekt, ein Innen-Empfangendes. Alles, was es sonst noch geben kann, ist nur virtuell, Fiktion oder Entelechie, ist das Bild des Strahles aus der Projektionskamera auf einer gedachten Fläche. Mag man nun das Subjekt in den Trieb oder die Lebensfiktion des Einzelnen, in die irgendwie einmal so gewordene Kräftekomplexion oder die individuelle Entelechie verlegen, man kommt über die Subjekt- Objekt-Betrachtung nicht hinaus. Von dieser Basis aus ist es ziemlich gleichgültig, ob man den Gegenstand des Glaubens eine Fiktion nennt oder die objektive Wirklichkeit des Geistes behauptet, ob man die Seele positiv schöpferisch sein läßt oder die objektive Außenwelt im Inneren des Individuums irgendwelche Formen annehmen läßt. Von dieser Basis aus ist das Verhältnis von Glauben und Bildung kaum in seiner Problematik aufzuzeigen, geschweige denn zu lösen, sondern nur mit einem recht kümmerlichen Alexandershieb als ein gordischer Knoten zu durchhauen. - Es ist klar, welche Form biologischer Problematik unser Thema „Glaube und Bildung" annehmen muß: es ist das Problem der Individualität. Wenn es mir gestattet ist, alles, was ich nun auszuführen habe, in Form einer These vorwegzunehmen, die natürlich alle Gewaltsamkeit einer Thesenaufstellung hat, so ist es diese: Es gibt im Leben wesensgemäß keine existentiell-ruhende Individualität, und gerade darum muß es eine, vom Menschen aus gesehen ruhende, überindividuelle Wirklichkeit geben. Diese These ist zu begründen, die Folgerungen für unser Thema sind danach zu erörtern. Unsere Begründung wird rein biologisch sein, die DO O 7 Folgerungen werden sich unter der Gleichnisbetrachtung ergeben, der Uberzeugung also, daß die Gesetze des Lebens wesensgemäß überall die gleichen sein müssen. Man ist auf Seiten der sogenannten Geisteswissenschaft dem, was man biologisch Analogisierung nennt, zur Zeit nicht wohlgesinnt. Ich möchte behaupten, daß trotzdem, auch wo es nicht gesagt oder sogar abgelehnt wird, immer mit dem Lebensgleichnis als Hintergrund gedacht wird. Einfach, weil niemand denken kann, ohne zu leben, ohne auch sein Denken zu leben. Wir wollen uns also mit methodologischen Rechtfertigungen nicht aufhalten, sondern in die Sache gehen. i i