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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 1 · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 1
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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kenntnis aus den Früchten. Wie wir einer im Staub der Welt fast verschütteten Seele noch soviel Leben zusprechen, als Gewissen in ihr ist, so entscheidet über Bildung oder Fehlbildung der Glaube. Goethe hat gesagt, ein Volk sei nur produktiv, solange es gläubig sei. Vielleicht könnte man das Problem von Glaube und Bildung doch mit einer Formel lösen, wenn man den Glauben das Gewissen der Bildung nennen würde. Das soll nun natürlich nicht ins Praktische übersetzt etwa konfessionelle Volkshochschule als Bildungspanazee besagen, es soll überhaupt nicht ins Praktische übersetzt werden, denn es übersetzt sich selbst in die Praxis. Was den Naturwissenschaftler bei Geisteswissenschaftlern, bei Pädagogen und Theologen so oft überrascht, das ist das geringe Zutrauen in die Wirklichkeit. Wir sind davon überzeugt, daß dafür gesorgt ist, wofür gesorgt werden muß, und daß wir am Ende gar nicht anders können, als die Wirklichkeit zu bewähren. So ergeben sich uns Glaube und Bildung als die beiden untrennbaren Konstituenten der einen Wirklichkeit, daß wir zu uns selbst kommen, indem wir hineingelebt werden in ein Seiendes, das nicht wir selbst sind. Glaube - das bedeutet: wir werden hineingelebt in eine Gestalt, die von jenseits her ihre Norm empfängt; Bildung - das bedeutet: dieses Hineingelebtwerden geschieht in dieser Welt und ihrer Zeitlichkeit, es bleibt ganz diesseits, ganz erdgebunden, aber es zeugt von Gott. 16

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