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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 1 · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 1
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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RUDOLF EHRENBERG GLAUBE UND BILDUNG Wenn man zwei Hauptworte durch das Wörtchen „und" verbindet, und es sich nicht nur um die Aussage einer Summierung handelt, so nehmen die beiden Begriffe ein kritisches Verhältnis zueinander an. Mit der Übertreibung der thesenhaften Formulierung würde Glaube und Bildung" bedeuten: „Glaube ist bildungsfeindlich" und „Bildung ist ungläubig66. Beide Formeln haben ihre Zeiten und zu jeder Zeit ihre Anhänger, und im Leben des Einzelnen gibt es Epochen, über denen die eine, über denen die andere Meinung steht. Es hilft auch nicht zu einer Verständigung der beiden Begriffe, die einander problematisch oder - entscheidungsmäßig - schon wieder unproblematisch geworden sind, wenn man ihnen getrennte Bereiche zuweist, sei es nebeneinander in der Verteilung auf Jenseits und Diesseits oder nacheinander in einem Anfangen des Einen, wo der Andre aufhört. Beide, wenn sie mit dem Ernst auftreten, der ihnen Wirklichkeit verschaffen kann, stellen einen Anspruch an den Menschen, von dem er sich ganz oder gar nicht getroffen fühlt. Und in der Tat haben beide Ansprüche eine Voraussetzung über das Leben des Menschen gemein, die Voraussetzung, daß der Mensch nicht aus seiner Wirklichkeit heraus sondern in seine Verwirklichung hinein lebt, daß sein Leben nicht die Offenbarung einer Wahrheit sondern die Bewährung der Wahrheit ist, daß nicht Wirklichkeit durch ihn erkannt oder erzeugt sondern an ihm bewährt, vollzogen wird. - Wenn man, ohne irgendwelche Inhalte des Glaubens oder des Bildungszweckes vorauszudenken, rein formal diejenige Tatsache des Lebens bezeichnen soll, auf Grund derer Glaube wie Bildung sich an den Menschen wenden, so ist es die, daß der Mensch im Laufe seines Lebens immer sichtbarer, immer definierter, immer ausgeprägter werden muß, mag er wollen oder nicht, mag es überhaupt Willen geben oder nicht, und mag das, was sichtbar, definiert, ausgeprägt wird, sein was es sei. Beide, Glaube wie Bildung, ziehen aus dieser Tatsache je die eine Folgerung, welche es vermeidet, ihr den Charakter des sinnlosen Verhängnisses, der Verurteilung zur lebenswierigen Einzelhaft zu geben. Für den Glauben gibt es etwas, das in dem Leben des Einzelnen erscheint, um ihm Teilhaftigkeit in einem Ganzen zu geben, besser zu offenbaren. Die Bildungsidee will, 3

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