Mannheim
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  1. 1859-01-01 · 1859 · p. [Seite]

    Einige Winke über häusliche Erziehung. Zu keiner Zeit ist das Erziehungswesen so eifrig betrieben und so vielseitig besprochen worden, als jetzt; nie gab es einen Zeitpunkt, wo man so früh anfing, bildend auf die Seele des Kindes einzuwirke…

  2. 1859-01-01 · 1859 · p. Seite 4

    4 Jedoch auch jetzt giebt es noch Viele, sehr Viele, welche der Ansicht zugethan sind, daß es zu früh sei, sich mit dem Herzen ganz junger Kinder zu beschäftigen; diese täuschen sich sehr. Gerade in dieser wichtigen Epoche wird die Erziehun…

  3. 1859-01-01 · 1859 · p. Seite 5

    was ihren Kindern ein wahres und dauerhaftes Glück verschaffen kann: allein ihr Ziel, welches es auch fein mag, und wie dunkel sie es sich auch vorstellen mögen, ist doch immer — daß es den Ihrigen wohlergehe! Die in unfern Tagen leider nic…

  4. 1859-01-01 · 1859 · p. Seite 6

    6 dennoch dem elterlichen Hause an. Ueberhaupt, wo die Kinder nur immer sind, in der Schule, auf der Straße, unter ihren Gespielen, überall und immer gehören sie zunächst ihren Eltern an, so daß deren liebendem und wachsamen Auge nicht leic…

  5. 1859-01-01 · 1859 · p. Seite 7

    7 jede Gelegenheit willkommen und er führt Anlässe herbei, wo er — absichtlich und als Selbstzweck — auf diese praktischen Vermögen wirken kann. Daß diese Einwirkung allein aber nicht ausreichend sei, braucht eben so wenig bewiesen zu werde…

  6. 1859-01-01 · 1859 · p. Seite 8

    8 sofern die Einwirkung der Schule vereinzelt dasteht. So sagt man auch, der Lehrer könne durch sein Beispiel auf die sittliche Ausbildung des Schülers wirken. Dies ist wahr; aber nur in Wenigem kann er ihm Beispiel sein. Der Schüler sieht …

  7. 1859-01-01 · 1859 · p. Seite 9

    9 besitzen wir Erziehungsanstalten*) — wird uns mancher Vater, manche Mutter entgegnen. Uns scheinen diese jedoch gar nicht dem Zweck einer ächten Menschenerziehung zu entsprechen. Auch wenn die Ausseher und Erzieher in ihnen alle treu und …

  8. 1859-01-01 · 1859 · p. Seite 10

    10 — eines starken ArmeS, welcher es bet drohenden Gefahren schützen und an der Klippe des Verderbens sicher und unversehrt vorbetleiten kann. Wer kann dieses Alles dem Kinde in dem Maße gewähren, wie seine Eltern? Allerdings, werden vielle…

  9. 1859-01-01 · 1859 · p. Seite 11

    11 wird, und das Kind bei anhaltendem Fleiße mehr Wissen einsammeln und mehr Begriffe auffaffen kann, als im elterlichen Hause, wollen wir nicht bezweifeln; aber daß es durch eine von Fremden besorgte Erziehung in der Bildung seines Gemüthe…

  10. 1859-01-01 · 1859 · p. Seite 12

    eine neue Erziehungsmethode. Was für verschiedene Resultate geben nicht diese von einander verschiedenen Ansichten und Erziehungstheorien. Wie oft fühlen es nicht selbst die Kinder, wie irregeleitet und verkehrt, oft nach bloßer Willkür und…

  11. 1859-01-01 · 1859 · p. Seite 13

    Beziehung zu Gott. Sobald das Kind zu dem Bewußtsein gelangt, daß ein Gott ist; versteht es schon die Sprache und ist mit den es umgebenden Dingen bekannt: so sagt ihm, daß ein Gott ist, welcher ihr gütiger Schöpfer, Freund und Wohlthäter s…

  12. 1859-01-01 · 1859 · p. Seite 14

    14 hinlänglich entschuldigten. Haben Eltern nur einigemal Nachsicht, so entsteht bei dem Kinde schon eine gewisse Sorglosigkeit, die zuletzt Nachlässigkeit wird, und in spätem Jahren keine guten Folgen haben kann. Wenn Eltern in der einen S…

  13. 1859-01-01 · 1859 · p. Seite 15

    ... 15 aber die häusliche Erziehung aus lauter „Humanität", welches Wort, wie so viele schöne und wohlklingende Worte in unfern Tagen, mehr in eines Jeden Mund als Herzen ist, die Strenge ganz verbannt, und die Anregung des Ehrgefühls, Demo…

  14. 1859-01-01 · 1859 · p. Seite 16

    16 bei demselben gegen den Vater oder die Mutter ein gewisses Mißtrauen; es fängt an, argwöhnisch zu werden; es fängt an, in seiner Liebe einen Unterschied zu machen. Und dieses ist in allen Fällen höchst verderblich. Schwer vergehen sich E…

  15. 1859-01-01 · 1859 · p. Seite 17

    17 bet Seite. Läßt man die Kleinen aber öfter in Gesellschaft der Eltern, bei Verwandten oder Freunden, so kann man ihnen bet solchen Gelegenheiten leichter und besser zeigen, was anständig ist oder einem guten Anstande zuwider lauft. Nur g…

  16. 1859-01-01 · 1859 · p. Seite 18

    18 ihr Herz veredeln. Man gewöhne die Kleinen bei jeder Sache zu fragen: Was ist das? Warum ist das? Wie macht man das? Warum thul man das? und dergl. Sie werden freilich, denn sie sind Kinder, hundert einfältige Fragen thun, auch hundertma…

  17. 1859-01-01 · 1859 · p. Seite 19

    19 - die Bänke gebannt, und ihre Köpfe oft mit nutzlosen Gedächtnißübungen geplagt werden, mit einem zahllosen Schwarm von kalten Begriffen, hohlen, meistens (wenigstens dem Kinde) unverständlichen Definitionen, mit verschiedenen naturhisto…

  18. 1859-01-01 · 1859 · p. Seite 20

    20 beschäftigt, und der geringste Theil der Erziehung Andern überlassen wird; wenn sie gern die Stunden der Erholung unter ihnen zübringen: sie würden manche angenehme Stunde, manchen freudigen Genuß sich mehr bereiten, wie sie ihn so selte…

  19. 1859-01-01 · 1859 · p. Seite 21

    21 Unschuld des Herzens sie begleitet. Man laffe der Jugend ihren Frohsinn und bedenke, wie sehr das Gefühl des Lebensübersiusses sroh macht. Daher der reine wolkenlose Himmel der jugendlichen Empfindungen, welcher die ersten Jahre des mens…

  20. 1859-01-01 · 1859 · p. Seite 22

    — 22 — Quarantaine aus gehalten, damit die Ettern ja gewiß sind, daß nichts geschieht, als was sie in ihrem kalten Plane vorgezirkelt haben — so ist sicherlich der kein Kinderfreund, der diese Weise billigt. Glückliche Zeiten! rufen wir aus…