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Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main · 1859-01-01 · 1859 · p. Seite 9

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Journal
Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
Volume
1859
Date
1859-01-01
Page
Seite 9 (sequence 12)
Language
German
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IRI
…/2580773-10191689--0014-10191654
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9 besitzen wir Erziehungsanstalten*) — wird uns mancher Vater, manche Mutter entgegnen. Uns scheinen diese jedoch gar nicht dem Zweck einer ächten Menschenerziehung zu entsprechen. Auch wenn die Ausseher und Erzieher in ihnen alle treu und tüchtig sind, so ist es schon an und für sich ein großes Uebel, daß in denselben eine große Anzahl junger Kinder gleichsam eingeschlossen und von der menschlichen Gesellschaft zu sehr abgesondert ist. Ihre Ideen und Empfindungen sind auf einen zu engen Kreis beschränkt, sie müssen einseitig werden; ihre Sitten sind gewöhnlich nicht die besten, und es ist nur zu natürlich, daß auch bei großer Strenge der Zucht das Böse in ihnen wuchert, und oft tiefe Wurzeln schlägt. Die kleineren Pensionen, wenn sie sich so viel als möglich der Familienerziehung nähern, erreichen noch weit eher den Zweck der häuslichen Erziehung, und sind weniger den Mängeln der größer» Anstalten ausgesetzt. Aber auch die besten unter ihnen ersetzen doch nie ganz den Mangel einer eigentlich häuslichen Familienerziehung. Wenn solche Erziehungsinstitute aber auch wirklich das wären, was sie größtentheils nur scheinen, und das leisteten, was manche gutmüthige Eltern von ihnen erreicht glauben, so ist und bleibt die häusliche Erziehung durch der Mutter zarte Liebe und des Vaters weisen Ernst immer die natürlichste, immer die beste.**) „Die Eltern sind die Erzieher, und die Familie der Boden, aus dem die Pflanze ohne Nachtheil nicht zu früh versetzt werden kann." Das zu erziehende Kind hat so Vieles nöthig, das ihm wohl der Vater und die Mutter gern, aber jeder Andere, auch der Treueste und Beste kaum zu geben im Stande ist. Das Kind bedarf eines liebenden Herzens, an das es sich mit vollem Zutrauen anschließt, und welches sich zu dessen Wohle selbst aufzuopfern bereit ist — einer leitenden Hand, an die es sich gern anschmiegt, welche nur zum Guten hinführt — eines beobachtenden Auges, zu dem es mit Liebe ausschaut, und welches jenes nie unbewacht läßt — eines warnenden Blickes, den es nicht weniger zu achten und zu ehren, als zu scheuen und zu fürchten gewohnt ist *) Dressiranstalten wäre eine richtigere Benennung. **) Niemeier.

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