Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 22)
- Language
- German
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19 - die Bänke gebannt, und ihre Köpfe oft mit nutzlosen Gedächtnißübungen geplagt werden, mit einem zahllosen Schwarm von kalten Begriffen, hohlen, meistens (wenigstens dem Kinde) unverständlichen Definitionen, mit verschiedenen naturhistorischen, geographischen, geschichtlichen, grammatikalischen Kenntniffen herangebildet werden, so daß aus dem Kinde mit dem überfüllten Kopfe und dem leeren Herzen in kurzer Zeit ein großer und unerträglicher Raisonneur wird, der dann später in dem stolzen und dünkelhaften Wahne der Überlegenheit über Alles schnell und unverständig aburtheilt, wodurch die schöne, nie lange genug zu hütende Kindlichkeit früh gänzlich verloren geht. Der erste Unterricht, wie die erste Erziehung gehe wieder von der Mutter aus. Sie erklärt dem Kinde die ersten Begriffe, sie ist es, welche von dem wißbegierigen Kinde mit allen Fragen zuerst bestürmt wird, sobald es über irgend etwas eine Erläuterung haben will. Von der Mutter werden alle ersten Anschauungen, alle richtigen Vorstellungen unterstützt und geleitet. Die andere Umgebung ist hier wohl mit thätig, aber nichts hat für das Kind so hohen Werth, als das Wort und der Unterricht einer liebevollen Mutter. Sie selbst sollte daher, ohne gerade gelehrt sein zu müssen, doch gründliche und richtige Kenntnisse haben. Gelehrte Frauen leben immer in einer idealen Welt und sind für die wirkliche, und daher für ihre Berufspstichten verloren. Der Mutter zunächst nimmt an der Belehrung (wir sprechen hier nicht von einem eigentlichen Unterricht) der Vater Theil. Der Vater, der den ganzen Tag gearbeitet hat, soll, wenn er nach Hause kehrt, mit den Kindern sich unterhalten?! Wie ungebührlich, wie ungereimt ist ein solches Verlangen! Wie kann sich ein Geschäftsmann im Kreise feiner Kinder erholen, die ihn wohl alle liebend umgeben, aber nicht so zu sprechen vermögen, wie seine Berufsgenossen. Man kommt nach Hause, man fragt nach den Kindern, ob sie etwas gelernt haben, ob sie gesund, ob sie folgsam sind, hält für sie Hofmeister und Erzieher, und man hat als ein guter, für das Wohl seiner Kinder besorgter Vater Alles gethan. Wüßten Eltern, welche unwiderstehliche Macht sie über ihre Kinder haben, wenn die liebevolle Fürsorge sich gern mit ihnen selbst 2*