Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 14)
- Language
- German
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11 wird, und das Kind bei anhaltendem Fleiße mehr Wissen einsammeln und mehr Begriffe auffaffen kann, als im elterlichen Hause, wollen wir nicht bezweifeln; aber daß es durch eine von Fremden besorgte Erziehung in der Bildung seines Gemüthes und in der Veredlung seines Herzens im Allgemeinen weit zurückbleibe, und daß meistens die Herzlichkeit dabei vermißt werde, wird man uns auch zugeben müssen. Denn bei dem Erwachen der Entwickelung der Gefühle wird es den Kindern zum Bedürfnisse, sich an Andere enger anzuschließen. Alles liebende Wohlwollen, welches sich im elterlichen Hause gegen Eltern und Geschwister wenden würde, richtet sich nun an die fremden Stellvertreter, von denen Anfangs diese Aeußerungen und wohl freundlich und herzlich ausgenommen, aber doch nur zu häufig bald als leere Gewohnhettsformeln betrachtetet werden. Die genauere Entwickelung und Rechtfertigung über die Unzulänglichkeit einer möglichst guten und glücklichen Kindererziehung in den sogenannten Erziehungsanstalten würde weit die Grenzen dieser kleinen Schrift überschreiten, und wenden wir uns daher zu näherer Betrachtung und Beleuchtung einiger besonderer Momente und Specialttäten der häuslichen Erziehung. Wir verstehen unter privatoderhäuslicher Erziehung besonders diejenige Bildung, welche die Jugend in den Hausern ihrer Eltern, oder in andern Familien, denen sie angehören, erhält oder doch erhalten sollte. Wenn diese Art der häuslichen Erziehung irgend zweckmäßig und verständig eingerichtet ist, so halten wir sie aus vielen Gründen für die beste und für besser als alles andere, was man zum Ersatz dafür seinen Kindern geben kann. Aber leider hat die Schule und ihre Lehrer mit dem ewigen Hindern iß der verkehrten häuslichen Erziehung zu kämpfen! — Viele Eltern stehen in dem Wahne, daß das Erziehen sich von selbst verstehe, oder leicht erlernen lasse. Wie sehr diese in das Blinde hineingreifen — das versteht sich von selbst. Andere halten es für eine Unmöglichkeit, ihre Kinder gut zu erziehen; sie überlassen es andern Personen, die sich damit befassen mögen. Noch andere erziehen ihre Kinder, wie es die Mode des Hauses mit sich bringt; endlich wieder andere ererciren jede neue Erziehungs- und Lehrmethode, so wie diese kaum die Presse verlassen hat, an ihren Kindern und haben für jedes derselben